7 Juni 2023

Lauterkeitskommission: Kein Nachweis einer klimaneutralen WM

Die Fifa hat f├Ąlschlicherweise behauptet, die Fussballweltmeisterschaft 2022 in Katar sei klimaneutral gewesen. Die Schweizerische Lauterkeitskommission (SLK) hat eine entsprechende Beschwerde gegen diese Kommunikation gutgeheissen.

Mit seinen teilweise absoluten Aussagen habe der Weltfussballverband Fifa in der kommerziellen Kommunikation den „falschen und irref├╝hrenden Eindruck“ erweckt, die WM in Katar sei bereits vor und w├Ąhrend des Turniers klima- beziehungsweise CO2-neutral gewesen, teilte die SLK am Mittwoch mit. Die Beweislast dazu liege beim werbenden Unternehmen.

Im Verfahren habe die Fifa den Nachweis der Richtigkeit dieser Aussagen aber nicht erbringen k├Ânnen. Sie habe zwar angegeben, die im Voraus gesch├Ątzten 3,63 Millionen Tonnen CO2 bereits kompensiert zu haben. Doch diese Kompensation habe sie nicht nachweisen k├Ânnen und auch kein Konzept f├╝r allf├Ąllige weitere Kompensationen vorgelegt.

Selbst wenn die Sch├Ątzung den definitiven Zahlen entsprechen sollte, sei f├╝r die SLK unklar geblieben, ob die versprochene Kompensation ├╝berhaupt realistisch sei. Ebenfalls unklar sei, ob die Kompensationsmassnahmen den Schweizer Standards entsprechen. Diese verlangten n├Ąmlich unter anderem „einen vollst├Ąndigen und dauerhaften Entzug von CO2 aus der Atmosph├Ąre“.

Die Zweite Kammer der SLK hiess deshalb alle f├╝nf Beschwerden aus der Schweiz, Frankreich, Belgien, Grossbritannien und den Niederlanden gut. „Solange keine definitiven und allgemein akzeptierten Methoden zur Messung der Nachhaltigkeit oder zur Sicherung ihrer Durchf├╝hrung vorliegen“, d├╝rfe ein Unternehmen nicht behaupten, dass Nachhaltigkeitsziele erreicht worden seien.

Die SLK empfiehlt der Fifa, k├╝nftig darauf zu verzichten, die Fussball-WM in Katar als klimaneutral zu bezeichnen – ausser sie sei in der Lage, zum Zeitpunkt der Kommunikation alle CO2-Emissionen des Turniers und deren Kompensationen zu belegen.

Eine der Beschwerdef├╝hrerinnen, die Klima-Allianz Schweiz, reagierte mit Genugtuung auf den Entscheid. Sie hatte unter anderem bem├Ąngelt, dass die Fifa in ihrer Berechnung die Auswirkungen der Shuttle-Fl├╝ge von Dubai, Riad oder Kuwait nach Katar nicht ber├╝cksichtigt habe. Auch die CO2-Emissionen beim Bau der Stadien seien ignoriert worden.

Das Urteil sei deshalb „eine starke Botschaft an alle Unternehmen, die Greenwashing betreiben wollen“, hiess es in einer Mitteilung. Unternehmen und Organisationen wie die Fifa k├Ąmen nun nicht mehr darum herum, sich mit ihrem tats├Ąchlichen Fussabdruck zu besch├Ąftigen.

Die Schweizerische Lauterkeitskommission ist ein Selbstkontrollorgan der Kommunikationsbranche. Sie erl├Ąsst Empfehlungen, aber keine staatlich durchsetzbaren Urteile. Der Beschluss ist nicht rechtskr├Ąftig.

(text&bild:sda)