15 April 2024

Langzeitmieter sind von steigenden Mietpreisen kaum betroffen

Knapper Wohnraum und steigende Mieten treiben die Menschen in der Schweiz um. Doch gilt es zwischen Bestandes- und Angebotsmieten zu unterscheiden. Denn vom Preisanstieg sind vor allem die Angebotsmieten betroffen.

Aktuelle Zahlen zeigen: Wer lange nicht umgezogen ist, ist finanziell kaum von steigenden Angebotsmieten betroffen. Das geht aus dem am Montag ver├Âffentlichten Immobilienbarometer f├╝r das erste Quartal 2024 der Z├╝rcher Kantonalbank (ZKB) hervor. In bestehenden Mietverh├Ąltnissen sei Wohnen nur leicht teurer geworden. Aber es gibt deutliche regionale Unterschiede.

Wer seit 2006 in derselben Mietwohnung wohnt, zahlte Ende 2023 qualit├Ątsbereinigt nur knapp 5 Prozent mehr als beim Einzug. Dies schreibt die ZKB in einer Studie ├╝ber die Entwicklung der Altbestandesmieten, die das Immobilienresearch der Bank im Auftrag des Bundesamts f├╝r Wohnungswesen (BWO) erstmals berechnet hat. Das Mietwachstum lasse sich zu einem Grossteil auf den Qualit├Ątsr├╝ckgang der Wohnungen – die Altersentwertung – zur├╝ckf├╝hren. Diese sei dabei aber niedriger als die allgemeine Preisentwicklung im selben Zeitraum gewesen.

Gleichzeitig sei das Mietzinsniveau in allen Mietverh├Ąltnissen, also inkl. Neuvermietungen, wie es das BFS mit seinem Mietpreisindex ausweist, seit 2006 um fast 25 Prozent gestiegen. Dabei habe sich die Entwicklung der Angebotsmieten als gr├Âsster Treiber des Preisanstiegs erwiesen, wie die ZKB schreibt.

Doch es gibt regionale Unterschiede. Von allen Grossregionen seien die Altbestandesmieten im Kanton Z├╝rich am wenigsten gestiegen. Hier zahle man nur 2,5 Prozent mehr als vor 18 Jahren. Ein wichtiger Grund: Z├╝rcher Mieter haben nach einem R├╝ckgang des Referenzzinssatzes am h├Ąufigsten Mietsenkungen eingefordert. Gleichzeitig sei hier aber auch vonseiten der Vermieter die erste Erh├Âhung Ende 2023 besonders rege weitergegeben worden.

Anders in der Genferseeregion: Hier h├Ątten Mieter, die seit 2006 in derselben Wohnung verweilen, einen Anstieg von 7,5 Prozent stemmen m├╝ssen. Der Referenzzins, der im Rest der Schweiz einen deutlichen Einfluss auf den Verlauf der Altbestandesmieten hat, scheine hier kaum eine Rolle zu spielen. Dies liege wohl an der g├Ąngigen Praxis von Untermietverh├Ąltnissen in der Genferseeregion. Denn Untervermieter h├Ątten kaum Interesse, Mietzinssenkungen einzufordern, da sie selbst davon nicht profitieren w├╝rden, schreibt die ZKB.

Insgesamt zeigt sich, dass vor allem institutionelle Vermieter die zahlreichen Referenzzinssatzsenkungen der letzten Jahre weitergegeben haben. Im Ergebnis haben Mieter von Pensionskassen, Versicherungen und Fonds davon profitiert, dass ihre Mieten im Bestand weniger angestiegen sind als die von Privatvermietern.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)