11 September 2022

„Lang lebe der K├Ânig“ – Charles III. beerbt die Queen

„God save the King“: Zum ersten Mal seit 70 Jahren ist diese Zeile nun wieder als Nationalhymne in London zu h├Âren. Mit Fanfarenst├Âssen und im Beisein zahlreicher Soldaten mit B├Ąrenfellm├╝tzen wurde es am Samstag auch offiziell verk├╝ndet: Charles III. ist neuer britischer K├Ânig. Nur einen Tag sp├Ąter trat Queen Elizabeth II. ihre letzte Reise an. Von Schloss Balmoral aus, wo die K├Ânigin am Donnerstag im Alter von 96 Jahren gestorben war, sollte der Sarg bis zum Nachmittag ins schottische Edinburgh ├╝berf├╝hrt werden. Das Staatsbegr├Ąbnis ist f├╝r den 19. September geplant.

Gleich am Wochenende machte Charles die Erfahrung, dass er als K├Ânig k├╝nftig noch st├Ąrker im Fokus der ├ľffentlichkeit stehen wird als bisher. Denn trotz der ├╝beraus positiven Resonanz auf den neuen (und doch erfahrenen) Monarchen, gab es in sozialen Netzwerken bereits erste Kritik an ihm. Als Charles n├Ąmlich seine Proklamation unterzeichnete, passte ihm offenbar die Platzierung des Tintenf├Ąsschens nicht. Mit einer herrischen Geste gegen seine Mitarbeiter machte er seinen Unmut deutlich – das kam nicht gut an.

F├╝r das eigentliche Bild des Tages sorgten am Samstag aber ohnehin die Queen-Enkel William und Harry. Die zerstrittenen Br├╝der und ihre Frauen Kate und Meghan schlenderten die Auffahrt zu Schloss Windsor herunter und sch├╝tteln am Zaun ausgiebig H├Ąnde. Beinahe wirkte es wie zu Zeiten, als alles noch in bester Ordnung war. Als ein Zeichen der Ann├Ąherung oder gar der Vers├Âhnung wollten Royal-Experten den Auftritt jedoch noch nicht deuten.

William, bislang offiziell Herzog von Cambridge, tr├Ągt nun den Titel Prinz von Wales, den der Thronfolger ├╝blicherweise tr├Ągt. Das hatte Charles bereits in seiner ersten Rede an die Nation am Freitag best├Ątigt. Kate (40) wird Prinzessin von Wales. Diesen Titel hatte zuletzt die 1997 bei einem Autounfall gestorbene Mutter von William, Prinzessin Diana, aktiv getragen. Charles‘ Ehefrau Camilla wurde mit dem Tod von Queen Elizabeth II. zur Queen Consort.

Die Proklamation von Charles am Samstag war zwar ein rein formeller Akt, doch f├╝r viele markierte sie doch den Beginn einer neuen ├ära. Als die Ausrufung auf dem Balkon des St.-James’s-Palastes verlesen wurde, brach nebenan Jubel aus. „Lang lebe der K├Ânig“, schallte es her├╝ber. Was nun noch folgt, ist die Kr├Ânung – der Termin daf├╝r ist allerdings noch offen. Elizabeth II. war erst 16 Monate nach ihrer Thronbesteigung gekr├Ânt worden.

Auf ihrem letzten Weg wird Elizabeth nun von Tausenden Menschen begleitet. Schon fr├╝h am Morgen warteten am Sonntag viele an den Strassen, um einen Blick auf den Sarg zu werfen. Am Nachmittag wird er in der offiziellen Residenz der K├Ânigin in Edinburgh, in Holyroodhouse, erwartet. K├Ânig Charles III. und andere Mitglieder der k├Âniglichen Familie wollten den Sarg am Montag zur St.-Giles‘-Kathedrale begleiten, wo er f├╝r 24 Stunden stehen soll, ehe die Reise per Flugzeug weiter nach London geht. In der Kathedrale bekommt die ├ľffentlichkeit auch erstmals Gelegenheit, der Queen noch einmal Respekt zu zollen.

Am Dienstag wird der Sarg dann in London erwartet. Tags darauf soll er in einer ├Âffentlichen Prozession durch die Strassen der Innenstadt gefahren werden. Auch dort haben die Menschen noch einmal die Gelegenheit, von der Queen Abschied zu nehmen. Vor den Pal├Ąsten hatten viele bereits in den vergangenen Tagen Mitbringsel abgelegt. Das bereitet allerdings der Parkbeh├Ârde, die auch f├╝r die Entsorgung zust├Ąndig ist, zunehmend Kopfschmerzen. Sie bat darum, lediglich Blumen ohne Plastikschutz abzulegen. Weniger gern gesehen sind Teddys, Corgi-Kuscheltiere oder eingepackte Marmeladen-Sandwiches.

Zum Staatsbegr├Ąbnis am 19. September werden zahlreichen Staatsg├Ąste und Vertreter k├Âniglicher Familien erwartet. Um 12.00 Uhr (MESZ) ist dann in der Westminster Abbey in London ein Gottesdienst geplant. Die Menschen in Grossbritannien erhalten zudem einen zus├Ątzlichen arbeitsfreien Tag.

Ihre letzte Ruhest├Ątte findet die Queen in der St.-George-Kapelle auf dem Gel├Ąnde von Schloss Windsor, wo auch ihr Ehemann Prinz Philip ruht, der am 9. April 2021 starb. Dort wurden auch ihre engsten Angeh├Ârigen, ihr Vater George VI., ihre „Queen Mum“ genannte Mutter und ihre Schwester, Prinzessin Margaret, beigesetzt.

Ein Blick zur├╝ck pr├Ągte auch die ersten Tage der Regentschaft von K├Ânig Charles. Er sagte, er werde sich bem├╝hen, „dem inspirierenden Vorbild, das mir gegeben wurde, zu folgen, indem ich die Verfassung hochhalte und Frieden, Harmonie und Wohlstand der V├Âlker dieser Inseln, der Commonwealth-Gebiete und Territorien auf der ganzen Welt anstrebe“.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Regierungschef des karibischen Inselstaates Antigua und Barbuda das britische Staatsoberhaupt abl├Âsen und das Land zu einer Republik machen will. Dazu plant er innerhalb von drei Jahren eine Volksabstimmung. Antigua und Barbuda hat knapp 100 000 Einwohner. Der Inselstaat wurde 1981 unabh├Ąngig. Er ist einer von 14 Staaten, in denen der britische Monarch Staatsoberhaupt ist. Im vergangenen Jahr war der Inselstaat Barbados weiter s├╝dlich in der Karibik bereits eine Republik geworden.

Zumindest f├╝r die n├Ąchste Zeit will der australische Premierminister Anthony Albanese hingegen auf ein Referendum ├╝ber die Abschaffung der Monarchie verzichten. Er hatte zuvor wiederholt Pl├Ąne angedeutet, das Land zu einer Republik machen zu wollen. Nun aber sei erstmal die Zeit, der gestorbenen K├Ânigin Tribut zu zollen. Es gehe nun darum, Bewunderung zu zeigen f├╝r die Verdienste der Queen „um Australien, das Commonwealth und die Welt“.

(text:sda/bild:unsplash)