12 Juni 2026

Kraftwerke Oberhasli über das spezielle Jubiläumsjahr 2025

Die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) blickte an ihrer 101. Generalversammlung auf ein besonderes Geschäftsjahr zurück. 2025 stand im Zeichen des 100-jährigen Bestehens der KWO und brachte zugleich anspruchsvolle betriebliche Aufgaben mit sich. Insgesamt produzierte die KWO rund 1’859 Gigawattstunden Strom aus erneuerbarer Wasserkraft. Die unterdurchschnittliche Jahresproduktion ist hauptsächlich auf die Entleerung des Grimselsees im Winter 2024/2025 zurückzuführen, die für den erfolgreichen Abschluss der Bau- und Instandhaltungsarbeiten an der neuen Staumauer Spitallamm notwendig war. Trotz dieser Einschränkungen leistete die KWO erneut einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Stabilisierung des Schweizer Stromnetzes. Ein weiterer Meilenstein im Jubiläumsjahr war der erfolgreiche Abschluss des Grimsel-Dialogs, der eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Speicherprojekte an der Grimsel schafft.

Die Jahresproduktion der KWO belief sich 2025 auf 1’859 GWh und lag damit bei rund 82 Prozent des langjährigen Durchschnitts. Hauptursache für die tiefere Energieabgabe war die rund fünfmonatige Nichtverfügbarkeit des Grimselsees im Winter 2024/2025. Die Seeentleerung war notwendig, um die Abschlussarbeiten an der neuen Staumauer Spitallamm sowie umfangreiche Instandhaltungsarbeiten an Triebwasserwegen und Anlagen durchzuführen. Der Speicherwasserzufluss lag mit rund 403 Mio. m³ etwa 8 Prozent unter dem 10-jährigen Mittel. Dennoch betrug der Energieinhalt der Stauanlagen Oberaar, Grimsel, Gelmer und Räterichsboden Ende Jahr 330 GWh und lag damit 24 Prozent über dem Vorjahreswert.

Jubiläumsjahr 2025 – 100 Jahre KWO
2025 feierte die KWO ihr 100-jähriges Bestehen. Zahlreiche Anlässe für Öffentlichkeit, Partner, Politik und Mitarbeitende machten die Geschichte, die Funktionsweise und die Bedeutung der alpinen Wasserkraft im Oberhasli erlebbar. Höhepunkt war das Jubiläumswochenende im Juni mit der 100. Generalversammlung, offiziellen Feierlichkeiten an der Grimsel sowie Tagen der offenen Tür für die Bevölkerung. Rund 3’000 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Kraftwerksanlagen, Staumauern und die Zentrale Leitstelle zu besichtigen. Das Jubiläum bot Raum für einen Blick zurück auf ein Jahrhundert Pionierarbeit und Ingenieurskunst und unterstrich gleichzeitig die Bedeutung der Wasserkraft für eine sichere und erneuerbare Energieversorgung der Schweiz. Einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres war die Herausgabe des Jubiläumsbuches «KWOeinhundert», das bereits in zweiter Auflage vorliegt.

Wechsel im Verwaltungsrat
Philipp Hänggi, als Vertreter der BKW, trat auf die diesjährige Generalversammlung aus dem Verwaltungsrat der KWO zurück. Er war im März 2020 ins Gremium gewählt worden. Neu im Verwaltungsrat Einsitz nehmen wird Raphael Brütsch, Head of Group Legal der BKW. Er war von 2023 bis 2025 bereits Mitglied des Verwaltungsrats.

Finanzen und Mitarbeitende
Der Umsatz der KWO belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf CHF 161.9 Mio., der Jahresgewinn lag wie im Vorjahr bei CHF 7.07 Mio. Die Bilanzsumme stieg auf CHF 875.5 Mio., der Eigenkapitalanteil betrug 28.6 Prozent. Die Produktionskosten erhöhten sich auf 7.05 Rp./kWh, insbesondere aufgrund des ausserordentlich hohen Instandhaltungsaufwands. Die KWO beschäftigte 2025 434 Mitarbeitende, was einem Jahresdurchschnitt von 306 Vollzeitäquivalenten entspricht, darunter 15 Lernende, und bleibt damit einer der  grössten Arbeitgeber im Haslital.

Investitionen in Unterhalt und Anlagen
Im Jubiläumsjahr realisierte die KWO das grösste Unterhaltsprojekt ihrer Unternehmensgeschichte. Die Entleerung des Grimselsees ermöglichte Arbeiten, die im Normalbetrieb nicht möglich sind. Neben dem Anschluss des neuen Grundablasses und des Ausgleichsstollens an der Staumauer Spitallamm wurden zahlreiche Sanierungen an Betonbauwerken, Stahlwasserbauten und Maschinen durchgeführt. Ein wichtiges Instandhaltungsprojekt ist die Sanierung der Druckleitung Kraftwerk Handeck 1. Das technisch anspruchsvolle Projekt beinhaltet den Einbau eines Inliners in die bestehende Druckleitung, wofür mehrere Zugänge, darunter ein 500 Meter langer Stollen, erstellt wurden. Im September 2025 erfolgte die Entleerung des Systems und anschliessend der Abbruch der Verteilleitung. Die Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks Handeck 1 ist im Frühling 2027 geplant. Im Kraftwerk Handeck 3 kam es zu einem Schaden an der komplexesten Maschine der KWO, der Isogyre. Dieser wurde behoben und die Maschinen nach intensiven Revisionsarbeiten wieder instandgesetzt. Insgesamt investierte die KWO rund CHF 55 Mio. in Unterhalt und Erneuerung ihrer Anlagen.

Staumauer Spitallamm erfolgreich in Betrieb
Nach sieben Bausaisons konnte die neue Staumauer Spitallamm ab Mitte April bis Ende Dezember 2025 mit dem Ersteinstau erfolgreich in Betrieb genommen werden. Bis zum Ende des Ersteinstaus war es notwendig, den Grimselsee bis zum Jahresende auf hohem Niveau zu halten. Die feierliche Einweihung der neuen Staumauer Spitallamm fand am 20. Juni im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten statt. Die neue Mauer erhöht die langfristige Sicherheit und Verfügbarkeit der Speicherinfrastruktur der KWO. 2026 folgen noch letzte Abschluss- und Rekultivierungsarbeiten.

Grimsel-Dialog abgeschlossen
Im Jubiläumsjahr 2025 erzielte die KWO im von ihr initiierten Grimsel-Dialog gemeinsam mit dem Kanton Bern und den beteiligten Verbänden einen wichtigen Durchbruch. In diesem strukturierten Verfahren wurden die Auswirkungen der geplanten Speicherprojekte Trift und Vergrösserung Grimselsee auf Umwelt, Landschaft und Biodiversität vertieft diskutiert und bewertet und anschliessend zusätzliche Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen vereinbart. Mit der erzielten Einigung sicherten die Umweltverbände zu, auf weitere Beschwerden gegen die notwendigen Konzessionsanpassungen für die Speicherprojekte Trift und Grimselsee zu verzichten. Damit wurde eine zentrale Voraussetzung geschaffen, um die Bewilligungsverfahren für diese für die Versorgungssicherheit wichtigen Wasserkraftprojekte weiterzuführen.

Flexible Wasserkraft für die Winterversorgung
Die Grosswasserkraft bleibt besonders im Winter ein zentrales Element für eine sichere und erneuerbare Stromversorgung. Dabei ist die hohe Flexibilität der Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke im Zusammenspiel mit der stark wachsenden Solarstromproduktion von grosser Bedeutung. Das neue Pumpspeicherwerk Grimsel 4 der KWO trägt diesem Bedarf Rechnung. Die KWO reichte das Baugesuch für das Projekt im Dezember 2025 beim Kanton Bern ein. Seit Juni 2026 laufen nun die Bauarbeiten.

(text:sda,jkä/bild:zvg kwo, david birri)