19 November 2022

Kritik an Katar f├╝r Infantino “heuchlerisch”

FIFA-Pr├Ąsident Gianni Infantino verteidigt einen Tag vor dem Er├Âffnungsspiel den WM-Ausrichter Katar und unterstellt den westlichen Nationen eine Doppelmoral.

“F├╝r das, was wir Europ├Ąer in den letzten 3000 Jahren weltweit gemacht haben, sollten wir uns die n├Ąchsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anderen Moralpredigten halten”, sagte der 52-j├Ąhrige Walliser an einer Pressekonferenz in Doha. Es sei traurig, diese Doppelmoral erleben zu m├╝ssen.

“Wie viele dieser westlichen Unternehmen, die hier Milliarden von Katar erhalten – wie viele von ihnen haben ├╝ber die Rechte von Arbeitsmigranten gesprochen? Keiner von ihnen”, sagte Infantino, ohne Beispiele anzuf├╝hren. “Wer k├╝mmert sich um die Arbeiter? Wer? Die FIFA macht das, der Fussball macht das, die WM macht das – und, um gerecht zu sein, Katar macht es auch.”

Katar steht seit Jahren wegen des schlechten Umgangs mit Menschenrechten sowie den Lebensbedingungen f├╝r ausl├Ąndische Arbeiter in der Kritik, die auch von unabh├Ąngigen Organisationen wie Amnesty International ge├Ąussert wurde. Die Regierung des Emirats weist das zur├╝ck.

Er verstehe nicht, wieso die Fortschritte in Katar nicht anerkannt w├╝rden, sagte der FIFA-Pr├Ąsident, der in Doha einen Nebenwohnsitz hat. “Diese Art und Weise, einseitig Lektionen erteilen zu wollen, ist heuchlerisch.”

In seiner Rede sicherte Infantino allen queeren Menschen zu, dass sie in Katar herzlich willkommen sind. “Es ist eine klare Anforderung der FIFA, dass alle, die herkommen, willkommen sein m├╝ssen. Egal, welche Religion, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sie haben.” Die katarische Regierung halte sich daran, betonte der FIFA-Chef.

Die Sicherheit und Freiheit der LGBTQI+-Community ist neben den Lebensbedingungen f├╝r die Millionen ausl├Ąndischen Arbeiter in Katar eines der grossen und besorgniserregenden WM-Themen. Laut Gesetz ist Homosexualit├Ąt im WM-Land verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gef├Ąngnis bestraft.

Infantino betonte, Ver├Ąnderungen erreiche man nur im Dialog und Wandel brauche Zeit. “Wenn jemand denkt, es reicht, harsche Kritik zu ├╝ben: Das n├╝tzt nichts, das wird als Provokation gesehen. Die Reaktion wird dann eher sein, sich noch mehr zu verschliessen.”

(text:sda/bild:unsplash)