16 September 2023

Kommission kritisiert Missbrauchs-Untersuchung der Kirche

Die Westschweizer Anhörungskommission fĂŒr Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche (Cecar) kritisiert die Untersuchung der Kirche zu MissbrauchsfĂ€llen. Es sei ein Fehler gewesen, sie dem Bischof von Chur anzuvertrauen, so die Cecar-PrĂ€sidentin.

Churs Bischof Joseph Bonnemain mĂŒsse ĂŒber seine Amtsollegen, die er seit Jahrzehnten kenne, urteilen. „Das ist eine sehr schlechte Lösung“, sagte Cecar-PrĂ€sidentin Sylvie Perrinjaquet in einem am Samstag veröffentlichten Interview in „Arcinfo“.

Perrinjaquet wies auf den „Kult der Geheimhaltung“ innerhalb der katholischen Kirche hin. Ihre Vertreter „leben stĂ€ndig in dieser AtmosphĂ€re der Geheimhaltung“, sagte sie. „Sie haben nicht mehr die FĂ€higkeit, sich bewusst zu machen, dass man irgendwann aufhören muss, sich zu verleugnen, und zugeben muss, dass es in der Kirche Personen gibt, die Kinder missbrauchen.“

Zur Geheimhaltung komme eine problematische Haltung der Kirche gegenĂŒber Frauen und Kindern hinzu: „In den Äusserungen, die die Kirche seit einigen Tagen macht, werde ich mir bewusst, dass fĂŒr diese Institution der Missbrauch eines Kindes weniger schlimm ist als sexuelle Beziehungen mit einer Frau zu haben“, sagte Perrinjaquet.

„Die Institution ist erschĂŒttert“, sagte sie und betonte, dass die Veröffentlichung des Berichts der UniversitĂ€t ZĂŒrich am Dienstag die katholische Kirche dazu gezwungen habe, zu erkennen, dass sie in ihren Reihen Missbraucher gebe.

Katholische Kleriker und Ordensangehörige haben in der Schweiz in den vergangenen 70 Jahren mindestens 1002 FĂ€lle von sexuellem Missbrauch begangen. Das zeigte die am Dienstag veröffentlichte erste Analyse von Geheimarchiven römisch-katholischer Institutionen durch Historikerinnen und Historiker der UniversitĂ€t ZĂŒrich (UZH).

(text:sda/bild:keystone)