18 August 2021

Kommandant der Berner Kantonspolizei soll neuer Bundesanwalt werden

Stefan BlÀttler, der Kommandant der Berner Kantonspolizei, soll die Nachfolge von Michael Lauber antreten und neuer Bundesanwalt werden. Die Gerichtskommission hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, BlÀttler dem Parlament zur Wahl vorzuschlagen. Damit steht nach langer Suche ein möglicher Nachfolger Laubers bereit.

Nach einem externen Evaluationsverfahren und einem zweistufigen Anhörungsverfahren sei die Kommission einstimmig zum Schluss gelangt, dass Stefan BlĂ€ttler alle QualitĂ€ten aufweise, die es heute fĂŒr dieses Amt brauche, schreibt die Gerichtskommission am Mittwoch in einer Mitteilung. Er hat sich gegen rund ein Dutzend Bewerberinnen und Bewerber durchgesetzt.

Die Gerichtskommission begrĂŒndet ihre Wahlempfehlung mit der langjĂ€hrigen Erfahrung in der Strafverfolgung und den umfassende FĂŒhrungskompetenzen BlĂ€ttlers. Er bringe zudem die erforderlichen persönlichen FĂ€higkeiten fĂŒr die Leitung der Bundesanwaltschaft mit. GemĂ€ss Mitteilung spricht BlĂ€ttler fliessend deutsch, französisch, italienisch und englisch.

BlĂ€ttler leitet seit 2006 als Kommandant die Berner Kantonspolizei. Das Polizeikorps umfasst gemĂ€ss Website der Kantonspolizei mehr als 2500 Mitarbeitende. Seine Karriere bei der Polizei begann er demnach 1989 als Offizier bei der Kriminalpolizei Bern. 1993 ĂŒbernahm er als Chef die Regionalpolizei Seeland–Berner Jura und 1995 zusĂ€tzlich die Funktion des Kommandanten-Stellvertreters. Ab 2003 war er hauptamtlich stellvertretender Kommandant der Kantonspolizei Bern.

BlĂ€ttler wuchs als Sohn des damaligen Nidwaldner Polizeikommandanten im Kanton Nidwalden auf. Er studierte an der Rechtswissenschaftlichen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Neuenburg und war Assistent am Lehrstuhl fĂŒr Strafrecht. 1987 promovierte er. Seine Laufbahn fĂŒhrte ihn zudem nach Genf, wo er bei der UBS einen Stage machte.

BlĂ€tter ist heute zudem unter anderem PrĂ€sident des Stiftungsrates des Schweizerischen Polizei Institutes (SPI) und Strategischer Leiter Disaster Victim Identification (DVI). Seine LehrtĂ€tigkeit fĂŒhrte er derweil weiter, beispielsweise an der UniversitĂ€t Bern mit einem Lehrauftrag fĂŒr Nebenstrafrecht und Kriminalistik.

BlĂ€tter machte sich in Bern und weit darĂŒber hinaus einen Namen als zugĂ€nglicher, aber konsequenter Kommandant mit Weitblick und grosser Sachkenntnis.

Wenn die Bundesversammlung die Zustimmung gibt – die Wahl soll voraussichtlich am 29. September 2021 erfolgen, – endet damit die lange Suche nach der Nachfolge Laubers. Die Stelle des Bundesanwalts ist seit rund einem Jahr vakant. Die Leitung der Bundesanwaltschaft teilen sich derzeit die zwei stellvertretenden BundesanwĂ€lte Ruedi Montanari und Jacques Rayroud.

Der ehemalige Bundesanwalt Michael Lauber bot nach monatelanger Kritik an seiner AmtsfĂŒhrung und mutmasslichen Ungereimtheiten bei den Ermittlungen im Verfahrenskomplex rund um den Weltfussballverband (Fifa) seinen RĂŒcktritt an und reichte darauf seine KĂŒndigung ein. Lauber schied per Ende August 2020 vorzeitig aus dem Amt aus.

Die Gerichtskommission schrieb die Stelle seither bereits drei Mal aus, weil sie keine ĂŒberzeugende Kandidatur fĂŒr Laubers Nachfolge gefunden hatte. Zuletzt waren zwei Frauen und ein Mann im Rennen. Es waren Maria-Antonella Bino, Lucienne Fauquex und FĂ©lix Reinmann.

Beworben hatte sich unter anderen auch Thomas WĂŒrgler, der pensionierte frĂŒhere Kommandant der ZĂŒrcher Kantonspolizei. Der 66-JĂ€hrige hatte seine Kandidatur Anfang Januar öffentlich gemacht, fiel aber nach der Anhörung der Gerichtskommission Anfang Jahr aus dem Rennen – wohl wegen der geltenden Alterslimite von 65 Jahren.

Um die Zahl der potenziellen Kandidierenden zu erhöhen, soll die Alterslimite fĂŒr die Stelle der BundesanwĂ€ltin beziehungsweise des Bundesanwalts auf 68 Jahre angehoben werden. Eingebracht hatte das Anliegen die Rechtskommission des StĂ€nderats. Der StĂ€nderat gab dieser in der vergangenen FrĂŒhjahrssession oppositionslos Folge. Das GeschĂ€ft geht nun an den Nationalrat. In Kraft gesetzt werden soll die Erhöhung der Altersgrenze auf den 1. Januar 2022.

(text&bild:keystone-sda)