5 September 2023

Kim plant angeblich Waffendeal mit Putin – Die Nacht im ├ťberblick

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un will Medienberichten zufolge nach Russland reisen, um dort mit Pr├Ąsident Wladimir Putin ├╝ber Waffenlieferungen zu verhandeln. Moskau gehe es darum, sich Nachschub an Waffen und Munition f├╝r den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu sichern, berichtete die “New York Times” am Montag unter Berufung auf nicht namentlich genannte Beamte aus den USA und der Regierung von Verb├╝ndeten. Unterdessen stattete der ukrainische Pr├Ąsident Wolodymyr Selenskyj mitten in der laufenden Gegenoffensive seinen Soldaten unweit der Front einen Besuch ab.

Kims Besuch soll dem Zeitungsbericht zufolge am Rande eines Wirtschaftsforums in Wladiwostok stattfinden, das f├╝r die Zeit vom 10. bis 13. September anberaumt ist. Auch die “Washington Post” berichtete ├╝ber das geplante Treffen. Putin hatte sich schon 2019 mit dem Nordkoreaner in der Grossstadt an der russischen Pazifikk├╝ste getroffen. Im Juli besuchte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu Nordkorea, wo er unter anderem an der Milit├Ąrparade teilnahm.

Reist Kim im Panzerzug nach Wladiwostok?

Kim verl├Ąsst sein abgeschottetes Land nur sehr selten, k├Ânnte nach Schilderungen der Beamten aber mit einem gepanzerten Zug nach Wladiwostok reisen, wie die “New York Times” schrieb. M├Âglich sei auch, dass Kim nach Moskau reise. Laut der Zeitung hofft Putin auf die Belieferung mit nordkoreanischen Artilleriegeschossen und Panzerabwehrwaffen. Kim soll demnach auf fortschrittliche Technologie f├╝r Satelliten und U-Boote mit Atomantrieb hoffen. Ausserdem bem├╝he er sich um Nahrungsmittelhilfe f├╝r sein verarmtes Land.

Erst am Mittwoch hatte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats der Vereinigten Staaten, John Kirby, gesagt, die US-Geheimdienste h├Ątten Informationen ├╝ber Verhandlungen zwischen beiden L├Ąndern ├╝ber Waffenlieferungen. Demnach sei auch Schoigu k├╝rzlich nach Nordkorea gereist, um Pj├Ângjang davon zu ├╝berzeugen, Artilleriemunition an Russland zu verkaufen. Nach diesem Besuch h├Ątten Putin und Kim einen Schriftwechsel gef├╝hrt, in dem sie sich verpflichtet h├Ątten, ihre bilaterale Zusammenarbeit auszubauen.

Mit den anvisierten R├╝stungsgesch├Ąften w├╝rde Russland von Nordkorea “bedeutende Mengen und mehrere Typen von Munition” bekommen, “die das russische Milit├Ąr in der Ukraine einsetzen will”, sagte Kirby vergangene Woche. Die US-Regierung fordere Nordkorea auf, die Verhandlungen mit Russland einzustellen.

Selenskyj ├╝ber Soldaten: “Ich bin auf sie alle stolz”

Artillerie- und Munitionslieferungen aus Pj├Ângjang k├Ânnten den russischen Streitkr├Ąften helfen, die Gegenoffensive der ukrainischen Armee zur├╝ckzuschlagen. Der ukrainische Pr├Ąsident Selenskyj besuchte am Montag die Gebiete Donezk und Saporischschja nahe der Frontlinie und lobte den “heldenhaften” Kampf der Armee zur Befreiung des Landes. Er habe den ganzen Tag mit Soldaten verbracht und verschiedene Einheiten besucht, sagte Selenskyj in einer im Zug aufgenommenen Videobotschaft am sp├Ąten Montagabend. “Jede ist stark. Ich bin auf sie alle stolz.” Genaue Ortsangaben machte er nicht.

Bei seinem Truppenbesuch seien auch der Personalmangel einiger Kampfverb├Ąnde und ein Mangel an bestimmten Munitionstypen zur Sprache gekommen. Zudem sei es um den Bedarf an Drohnen und Waffen zur Abwehr feindlicher Drohnen sowie um logistische Aspekte gegangen.

In der Region Saporischschja traf Selenskyj die Kommandoebene der Truppen, die zuletzt russische Verteidigungsstellungen ├╝berwunden hatten, darunter Brigadegeneral Oleksander Tarnawskyj. Der Offizier hatte in einem Interview gesagt, die Streitkr├Ąfte h├Ątten die erste und am st├Ąrksten gesicherte russische Verteidigungslinie durchbrochen und bewegten sich nun auf die zweite Linie zu.

Die Ukraine k├Ąmpft in dem von Russland am 24. Februar 2022 begonnenen Krieg mit westlicher Milit├Ąrhilfe um ihre Unabh├Ąngigkeit. Im Zuge der Gegenoffensive will Kiew die teils von Moskau kontrollierten Gebiete Saporischschja, Donezk, Luhansk und Cherson von der russischen Besatzung befreien. Ein Ziel der Ukraine ist auch die R├╝ckeroberung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim, die Moskau bereits 2014 unter Bruch des V├Âlkerrechts annektiert hatte.

Was am Dienstag wichtig wird

Die ukrainischen Streitkr├Ąfte setzen ihren Kampf zur Befreiung der Regionen im Osten und im S├╝den des Landes fort. Russische Milit├Ąrblogger berichteten zuletzt ├╝ber Probleme der russischen Truppen an der Front. Dagegen behauptete Kremlchef Putin am Montag einmal mehr, die Gegenoffensive der Ukrainer sei “gescheitert”.

(text:sda/bild:keystone)