21 Januar 2022

Keine Hinweise auf Gew├Ąsserverschmutzung durch Altlasten in Mitholz

Im Berner Kandertal, wo es in den letzten Jahren zu Fischsterben beim Blausee kam, ├╝berwacht nun ein Messsystem das Grundwasser. Bei den Arbeiten zu diesem System fand ein unabh├Ąngiger Gutachter keinen Hinweis auf Gew├Ąsserverschmutzungen durch Altlasten.

Der Gutachter ist allerdings auch der Auffassung, auf die Fragen zu einem potenziellen Schadstofftransport im Grundwasser liessen sich „keine einfachen und eindeutigen Antworten geben“. Das geht aus einer Mitteilung der Teilnehmer von neun Rundtischgespr├Ąchen zum Grundwasser im oberen Kandertal vom Freitag hervor.

Auf Grund der hydrogeologischen Untersuchungen allein k├Ânnten die Ursachen oder die Ursache der Fischsterben der Blausee AG der letzten Jahre nicht erkl├Ąrt werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Es habe an aktuellen und regelm├Ąssigen, aussagekr├Ąftigen Messwerten gefehlt.

Um k├╝nftig belastbare Messwerte zur Verf├╝gung zu haben, sei das ├ťberwachungssystem eingerichtet worden. Es erfasst ausser das Grundwasser auch den Fluss Kander und beruht auf einem hydrogeologischen Modell und dem Gutachten. Das System besteht aus 23 Messstellen mit rund 50 Sensoren.

Die Rundtischgespr├Ąchen waren im November 2020 gestartet worden. Dies auf Initiative der Regierungsstatthalterin von Frutigen BE und der Gemeinden Kandergrund und Kandersteg. Ziel war, die Auswirkungen von bestehenden Anlagen sowie von k├╝nftigen Bauvorhaben auf das Grundwasser im oberen Kandertal zu kl├Ąren.

Auch sollten die verschiedenen Interessen aufeinander abgestimmt werden. Die Rundtischgespr├Ąche sind nun abgeschlossen. Wegen des ehemaligen Armee-Munitionslagers Mitholz und dessen geplanter R├Ąumung nahm auch das VBS an den Gespr├Ąchen teil.

Das Bundesamt f├╝r Verkehr, der Kanton Bern, die BLS, die Blausee AG und die Steinbruch+Hartschotterwerk Blausee-Mitholz AG des Baustoffunternehmens Vigier waren ebenfalls vertreten. Die Expertise stammt von einem Z├╝rcher Geologieb├╝ro.

Nicht dabei an der letzten Sitzung der Rundtischgespr├Ąche war die Blausee AG. Sie tr├Ągt laut Mitteilung die unabh├Ąngige Expertise nicht mit. Damit fehle die vereinbarte Einstimmigkeit f├╝r eine Ver├Âffentlichung des Gutachtens, heisst es in der Mitteilung.

An der technischen Leitung des neu eingerichteten Gew├Ąssermonitorings beteiligt sich die Blausee AG aber.

Dieses Unternehmen vermutet, dass illegale Ablagerungen von Material auf dem Mitholzer Steinbruch zu den Fischsterben f├╝hrten – etwa Gleisschotter aus dem L├Âtschberg-Scheiteltunnel, der derzeit saniert wird. Das Baustoffunternehmen Vigier schloss schon im vergangenen Jahr einen Zusammenhang zwischen dem Wasserausfluss aus dem Steinbruch und den Fischsterben aus.

Die Blausee AG widersprach damals vehement. Nicht die Ablagerungen im S├╝den des Steinbruchs, sondern der Abbau in der Grube Nord sei w├Ąhrend Jahren zu tief erfolgt und habe zu einem offenen Grundwassersee gef├╝hrt. Dorthin seien nachweislich Tr├╝bstoffe und an sie gebundene Schadstoffe der illegalen Ablagerungen gelangt.

Die Fischsterben seien ab 2018 mit dem offenen Grundwassersee im Nordgebiet aufgetreten und ab Juli 2020 ausgeblieben, nachdem ├änderungen im Steinbruch vorgenommen worden seien. Ausserdem seien im Gleisaushub und in den toten Fischen identische Schadstoffe gefunden worden. In dieser Aff├Ąre wurden mehrere Strafanzeigen eingereicht.

(text:sda/bild:unsplash)