20 September 2021

Kaum Protest gegen Zertifikatspflicht an Schweizer UniversitÀten

Die Zertifikatspflicht verschiedener Schweizer UniversitĂ€ten hat zu Semesterbeginn kaum fĂŒr Protest gesorgt. In ZĂŒrich, Bern und Luzern gab es kleinere Demonstrationen mit bis zu 150 Personen. Die Protestierenden forderten barrierefreien Zugang zu Bildung fĂŒr alle.

In ZĂŒrich zogen am Montagmorgen bis zu 150 Studierende vom Landesmuseum in Richtung UniversitĂ€t und ETH ZĂŒrich. Dabei trugen sie Schilder, auf denen sie einen zertifikatsfreien Bildungszugang forderten, und skandierten „LibertĂ©“, wie ein Augenschein vor Ort zeigte. Auf Flyern, die verteilt wurden, wurde die Zertifikatspflicht als Diskriminierung verurteilt. Rechte hingen nicht von einem QR-Code ab, das Zertifikat fĂŒhre nur zu einer Spaltung.

Studierende verschiedener Hochschulen hĂ€tten friedlich ihre Meinung kundgetan, was selbstverstĂ€ndlich legitim sei und von der ETH ZĂŒrich begrĂŒsst werde, schreibt die Hochschule auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Vor der UniversitĂ€t Luzern kamen rund 100 Studentinnen und Studenten gegen die Zertifikatspflicht zusammen. Das Maturazeugnis und nicht das Zertifikat sei der Zugang zum Studium, sagte ein Student, der nach eigenen Angaben geimpft ist. Kein Mensch sei mehr wert als ein anderer, auch ein Geimpfter sei nicht mehr wert als ein Ungeimpfter. Er forderte deswegen „Bildung fĂŒr alle“.

Eine Demonstrantin sagte, die Politik habe aus einem medizinischen Problem ein gesellschaftliches gemacht. Das Zertifikat, sei nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.

Eine Gruppe namens „Freie Linke“ verteilte Zettel, auf denen „Kein Mensch ist zertifizierbar“ stand. An der Kundgebung waren auch Personen der Gruppe „Mass-Voll“ anwesend. Auf Transparenten waren Slogans wie „My Body my Choice“ zu lesen oder schlicht „Zertifikat nein“.

Die Kundgebung in Luzern stiess auch auf Kritik. Es kam zu Zwischenrufen, und auf Transparent einer kleinen Gegendemonstration war zu lesen, dass die Kritikerinnen und Kritiker der Corona-Massnahmen Rechtsextreme in ihren Reihen duldeten, oder dass Diskriminierung nicht mit dem Zertifikat beginne. Ein Sprecherin der Gegendemonstration warf den protestierenden Studentinnen und Studenten vor, sich nur um die Freiheit der Privilegierten zu kĂŒmmern.

Auch in Bern demonstrierten gut 30 Personen gegen die Zertifikatspflicht an der Uni. In Freiburg und Genf blieben die Proteste aus. Studierende, die kein Zertifikat besitzen, konnten sich an der UniversitÀt Genf in einem Zelt vor Ort testen lassen.

Seit Montag gilt an verschiedenen Schweizer Hochschulen eine Zertifikatspflicht. Nur so sei es möglich, den Studierenden nach fast drei Semestern Ausnahmezustand wieder ein normaleres Studiererlebnis zu bieten, schreibt die ETH ZĂŒrich auf ihrer Website. Eine Maskenpflicht in den VorlesungsrĂ€umen biete zusĂ€tzlichen Schutz.

An der UniversitÀt Basel gilt die Zertifikatspflicht ab November und an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ab Mitte Oktober. In Lausanne und Neuenburg startet das Semester erst am Dienstag.

(text:sda/bild:unibe)