7 September 2023

Katholische Kirche versteckte in Rom mehr als 3000 Juden

W├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs hat die katholische Kirche in Rom nach bislang unver├Âffentlichten Dokumenten mehr als 3000 Juden versteckt. Die Akten aus dem Biblischen Institut des Vatikans wurden am Donnerstag erstmals der ├ľffentlichkeit pr├Ąsentiert.

Insgesamt finden sich darauf die Namen von 3600 Menschen, die damals mit Hilfe von katholischen Frauen- und M├Ąnnerorden Zuflucht fanden. Aus dem Abgleich mit Dokumenten aus dem Archiv von Roms j├╝discher Gemeinde ergibt sich, dass 3200 davon j├╝dischen Glaubens waren.

Die Dokumente wurden nach der Befreiung der italienischen Hauptstadt im Juni 1944 von einem Jesuitenpartner erstellt. Sie waren dann auch Grundlage f├╝r eine Studie des italienischen Historikers Renzo de Felice 1961, galten seit Jahrzehnten aber als verschollen. Insgesamt ist darin von 4300 Versteckten die Rede, von denen mehrere Hundert bislang jedoch nicht namentlich identifiziert werden konnten. Mit R├╝cksicht auf die betroffenen Familien wurden am Donnerstag auch von den anderen keinerlei Namen genannt.

Die Rolle des Vatikans w├Ąhrend der Zeit der Nazidiktatur und des faschistischen Regimes von Benito Mussolini in Italien ist bis heute umstritten. Insbesondere geht es dabei um die Verantwortung von Papst Pius XII., dessen Pontifikat von 1939 bis 1958 dauerte. Der Italiener – mit b├╝rgerlichem Namen Eugenio Pacelli – stand schon zu Lebzeiten wegen seines Umgangs mit Nazi-Deutschland in der Kritik. Ihm wird zudem vorgeworfen, beim Thema Holocaust geschwiegen zu haben. Allerdings gibt es auch Historiker, die ihn in Schutz nehmen.

Der heutige Papst Franziskus ordnete die Offenlegung aller Akten an. Seit 2020 sind die Archive zug├Ąnglich. In Rom lebten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zwischen 10 000 und 15 000 Juden. Mehr als 2000 wurden von Nazi-Truppen ermordet. Die Stadt war nach dem Sturz Mussolinis und dem Seitenwechsel Italiens neun Monate lang von deutschen Truppen besetzt, bis zur Befreiung durch die Alliierten im Juni 1944.

(text:sda/bild:keystone:)