18 Dezember 2021

Kantonsarzt Hauri zuversichtlich, dass Massnahmen reichen könnten

Wenn sich die Bevölkerung gut an die vom Bundesrat beschlossenen VerschĂ€rfungen der Coronamassnahmen halte, dann mĂŒssten sie laut KantonsĂ€rzte-PrĂ€sident Rudolf Hauri „eigentlich reichen“. Der Förderalismus sei zudem nicht nur ein Nachteil im Kampf gegen die Krise.

Eine Prognose wage er nicht, aber er hoffe sehr, dass es reiche, sagte Hauri in der „Samstagsrundschau“ von Radio SRF. Ein gewisses Risiko habe man jetzt halt, weil die allermeisten, die wollten, sich hĂ€tten impfen lassen.

Bei den Fallzahlen gebe es eine Stagnation auf hohem Niveau mit leichter Tendenz zu einem RĂŒckgang. In den SpitĂ€lern stiegen die Eintritte zwar noch, flachten aber ab. Mit rund 300 belegten Intensivbetten sei die Belastung sehr hoch, wobei die Belastung durch Intensivpatienten generell stark sei. Zudem seien die BettenkapazitĂ€ten tiefer als vor einem Jahr, weil das Personal fehle.

Hauri stellte in Abrede, dass sich die Kantone hinter dem Bund verstecken wĂŒrden. Die Kantone hĂ€tten mit VerschĂ€rfungen gerechnet, aber eine andere Lagebeurteilung gemacht als der Bundesrat, der nun deutlichere VerschĂ€rfungen angeordnet habe. Den Vorhalt, die Kantone wĂŒrden mildere Varianten befĂŒrworten und umsetzen, weil der Bundesrat sie dann schon korrigiere, wollte Hauri so nicht gelten lassen.

Das föderale Gesundheitssystem sei fĂŒr den Alltag geeicht, mit etwas Reserven fĂŒr besondere Situationen. Unterschiede unter den Kantonen gehörten zum System der Schweiz. „Die gibt es einfach.“ Nun sei man mit einem Ereignis konfrontiert, dass nicht jedes Jahrzehnt eintrete. Im Jahr 2009 zum Beispiel, bei der BewĂ€ltigung einer starken Grippewelle, hĂ€tten die Kantone mit ihren Massnahmen rĂŒckblickend „eher ĂŒberschossen“.

Er rĂ€umte aber ein, dass es in gewissen Bereichen unter UmstĂ€nden eine verstĂ€rkte Zentralisierung braucht, wenn man die Lehren aus der BewĂ€ltigung der Pandemie gezogen habe. Es gehöre zu einer Krise, „dass nicht immer alles ganz rund lĂ€uft“.

Die derzeitige Situation mit der dominierenden Delta-Variante ist fĂŒr Hauri das Kriterium fĂŒr die Beurteilung der aktuellsten Massnahmen. Der Bundesrat hatte die deutlichere VerschĂ€rfung am Freitag indes hauptsĂ€chlich mit der anrollenden Omikron-Variante begrĂŒndet. Die Erkenntnisse ĂŒber diese neuste Variante sind laut Hauri aber noch „sehr vage“. Entscheidend werde die Schwere der Krankheit sein. Wenn die Menschen aber nur schwĂ€cher daran erkrankten, sei das „nicht so ein Problem“.

Zum Hin-und-her bezĂŒglich der Wartefrist fĂŒr die Auffrischungsimpfung sowie die ImpfkapazitĂ€ten angesichts des zu erwartenden Ansturms, sagte Hauri, die Kantone hĂ€tten die Kampagne nicht verschlafen. Man könne KapazitĂ€ten nicht ins Leere hinaus behalten, es brauche eine gewisse Beweglichkeit. Bei der Booster-Impfung gehe es vor allem darum, „dass man sie macht“.

Es mache keinen Sinn, nun alle an einem Tag zu boostern. Eventuell sei die zeitliche Verteilung am Schluss sogar ein Vorteil fĂŒr die GrundimmunitĂ€t der Gesellschaft. Die Wirkung der zweiten Impfung verschwinde ja nicht von einem Tag auf den anderen. „Es wird sich zeigen, ob wir am Schluss langsamer sind als andere LĂ€nder.“

Entscheidend sei fĂŒr ihn eine saubere Datenanalyse, bevor man entscheide, was nun gelte. Das könne man seinetwegen dann rĂŒckblickend als zu defensive Kommunikation der Eidgenössischen Kommission fĂŒr Impffragen (Ekif) beurteilen. Der Konjunktiv sei aber immer „ein schlechter Berater“.

Zu den sehr unterschiedlichen Praktiken in den Schulen meinte Hauri, er habe zwar grosses VerstĂ€ndnis fĂŒr das UnverstĂ€ndnis. Aber es gebe gute GrĂŒnde fĂŒr und gegen das repetitive Testen. Wenn alle Schulen stĂ€ndig testen wĂŒrden, reichten die Labor-KapazitĂ€ten wohl nicht aus.

Es möge aber sein, dass einige Kantone, die dies nicht tĂ€ten, ĂŒber ihre eigene Teststrategie stolperten, und nun die Schulen frĂŒher schlössen vor den Festtagen. Auch das Maskentragen kann gemĂ€ss Hauri einen sehr guten Effekt haben in den Schulen. Aber fĂŒr ihn stehe das Testen ĂŒber den Masken.

(text:sda/bild:chl)