16 Dezember 2021

Kanton Bern feiert ein halbes Jahrhundert Frauenstimmrecht

Am 12. Dezember 1971 sagten die Berner StimmbĂŒrger (hier ganz bewusst ohne -innen) Ja zum Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene, rund 10 Monate, nachdem die Schweiz als zweitletztes Land in Europa (noch vor dem FĂŒrstentum Liechtenstein) selbiges auf Bundesebene eingefĂŒhrt hatte. Dieses 50-Jahre-JubilĂ€um hat der Kanton Bern nun am Mittwoch gefeiert. Unter den Sprecher:innen waren unter anderen BundesrĂ€tin Simonetta Sommaruga und die Berner RegierungsprĂ€sidentin Beatrice Simon. «Die erste Schweizerische Bundesverfassung von 1848 war ein demokratischer, liberaler Leuchtturm mitten in Europa. Mit einem Haken: Die Frauen blieben aussen vor» erklĂ€rte Simon in ihrem Grusswort. Sommaruga erinnerte daran, dass es noch viel zu tun gĂ€be, auch gerade, was die Lohngleichheit angehe. Das fange schon im Kindesalter an: Statistisch gesehen wĂŒrden MĂ€dchen 11 Prozent weniger Sackgeld erhalten, als Jungen, fĂŒhrte die Magistratin aus. Darum sei sie froh um solche JubilĂ€en. Die seien eine gute Gelegenheit, zurĂŒckzuschauen und Bilanz zu ziehen. ZurĂŒckschauen heisse auch, diejenigen Frauen zu wĂŒrdigen, die in den 1950er und 1960er-Jahren fĂŒr das Frauenstimmrecht gekĂ€mpft haben.

TatsĂ€chlich stehen die beiden Politikerinnen auf den Schultern jener Frauen, die sich das Stimm- und Wahlrecht hart haben erkĂ€mpfen mĂŒssen, jene Frauen, die die glĂ€serne Decke durchbrochen haben. Eine von diesen Frauen ist die Unterseener SP-Politikerin Margrit SchlĂ€ppi-Brawand. Sie wurde 1976 als elfte Frau ins Berner Kantonsparlament gewĂ€hlt und war 1986/87 die erste GrossratsprĂ€sidentin des Kantons Bern. Eine Frau an der Spitze des Berner Kantonsparlaments, damit hĂ€tten einige Herren der Schöpfung auch 15 Jahre nach der EinfĂŒhrung des Frauenstimmrechts noch MĂŒhe gehabt, sagt SchlĂ€ppi, dass eine Frau einen grossen Kanton reprĂ€sentiere, das gehe doch nicht, habe es damals geheissen. Genau darum habe sie sich auch keine Fehler erlauben dĂŒrfen. MĂ€nner, so SchlĂ€ppi, hĂ€tten ab und zu „den Bock abgeschossen“, aber wenn sie als Frau sich hĂ€tte einen Fehler erlaubt, hĂ€tte es sofort geheissen, „da seht her, das kommt davon, wenn man diese Aufgabe einer Frau ĂŒberlĂ€sst“.

Heute sind Frauen in der Politik eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. 1971 hĂ€tte sich wohl kaum eine BĂŒrgerin zu trĂ€umen gewagt, dass dereinst die Schweiz eine Frauenmehrheit im Bundesrat haben werde, so SchlĂ€ppi weiter. FĂŒr die Schweizer StimmbĂŒrgerinnen hat sie dann noch eine Botschaft: Man mĂŒsse das Frauenstimmrecht pflegen. Frauen mĂŒssten von ihrem Stimm- und Wahlrecht gebrauch machen, sonst drohe das zu versanden, ist SchlĂ€ppi ĂŒberzeugt, es gebe aber sicherlich immer genĂŒgend MĂ€nner, die dann in die Bresche springen.

50 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz und im Kanton Bern. Die helvetische Vorzeigedemokratie hat dieses Manko sehr spĂ€t aus der Welt geschafft. Dank mutigen Frauen wie Margrit SchlĂ€ppi glĂŒcklicherweise nicht noch spĂ€ter.

(text:cs/bild:screenshot livestream)