24 Juni 2023

Geldpolitik m√∂glicherweise noch nicht „straff genug“

Die Leitzinsen in der Schweiz d√ľrften noch weiter steigen. Wenn man die Inflationsprognosen der Nationalbank genau interpretiere, dann sehe man, dass „aus heutiger Perspektive die Geldpolitik m√∂glicherweise noch nicht straff genug“ sei, sagte SNB-Chef Thomas Jordan.

Die Erh√∂hung vom letzten Dienstag reiche „sehr wahrscheinlich noch nicht ganz, sagte Jordan in der SRF-„Samstagsrundschau“. Der Leitzins von 1,75 Prozent sei historisch gesehen immer noch tief. Das Ziel der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sei es, die Inflation „im Bereich der Preisstabilit√§t dauerhaft zu verankern“.

Zur Bek√§mpfung der Inflation stehe ihnen aber nicht nur das Zinsinstrument zur Verf√ľgung: Die SNB habe in den letzten Jahren den Franken nominal aufwerten lassen und dazu Devisen verkauft. Das habe die Schweiz vor der importierten Inflation gesch√ľtzt.

Zur Kritik des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes sagte Jordan, man m√ľsse sich immer √ľberlegen, was die Alternativen zu Erh√∂hung der Zinsen w√§re: Dann w√ľrde Teuerung weiter ansteigen und man m√ľsste die Geldpolitik sp√§ter noch mehr straffen.

Er glaube, die SNB habe mit dem kleineren Schritt die richtige Frequenz gewählt. So könnten sie im Herbst evaluieren, wie die Inflationsentwicklung aussehe und was es dann noch brauchen werde.

Nat√ľrlich habe er grosses Verst√§ndnis f√ľr die Mieterinnen und Mieter: Niemand bezahle gerne mehr. Aber es gebe nun halt die Regelung im Schweizer Mietrecht, dass h√∂here Zinsen auf die Mieten √ľberw√§lzt werden k√∂nnten.

Doch hätten sie mit der Zinserhöhung länger gewartet, dann hätten die negativen Effekte auf die Mieterinnen und Mieter noch viel grösser werden können. Der Teufelskreis von höheren Mieten und nachfolgend höherer Teuerung werde nur kurzfristig sein. Denn mit der straffen Geldpolitik steige die Inflation dann auch nicht weiter an.

Jordan verteidigte auch die √úbernahme der CS durch die UBS. Denn diese habe dazu gef√ľhrt, dass es zu keiner Finanzkrise gekommen sei, weder in der Schweiz noch weltweit. Niemand habe Geld verloren, alle Kreditlimiten h√§tten weiterhin gebraucht werden k√∂nnen und es habe keine Ansteckung der anderen Banken oder des internationalen Bankensystems gegeben.

Dass die Massnahmen so funktionierten, sei alles andere als selbstverst√§ndlich gewesen. Noch am Sonntag dem 19. M√§rz seien sie sich nicht sicher gewesen. Das Resultat ohne Finanzkrise und ohne eine Destabilisierung der Schweiz bezeichnete Jordan als ein „sehr gutes Ergebnis“.

Im Moment sei die SNB-Finanzierung der UBS immer noch sehr wichtig, damit die Reorganisation der neuen Bank m√∂glichst effizient ablaufen k√∂nne. Ziel sei es, dass die ausstehenden Kredite „relativ z√ľgig“ zur√ľck gezahlt werden k√∂nnten.

(text&bild:sda)