20 April 2023

Italien streicht die Schweiz von schwarzer Liste in Steuerfragen

Italien streicht die Schweiz von seiner schwarzen Liste fĂŒr die Besteuerung von natĂŒrlichen Personen. Darauf einigte sich Finanzministerin Karin Keller-Sutter mit ihrem italienischen Amtskollegen Giancarlo Giorgetti, wie das Finanzdepartement am Donnerstag mitteilte.

Die Schweiz stand seit 1999 auf der Liste. Die Streichung erfolgt aufgrund einer von den beiden Partnern unterzeichneten politischen ErklĂ€rung. Nach Angaben des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) beseitigt der Schritt administrative HĂŒrden in den Steuerbeziehungen.

Die Schweiz bemĂŒhte sich seit Jahren, von der Liste wegzukommen. Die schwarze Liste schrieb fĂŒr Personen, die von Italien in die Schweiz ziehen, eine Umkehr der Beweislast beim Steuerdomizil vor. Damit mussten die Betroffenen selbst nachweisen, dass sie ihren Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlegt haben.

In Antworten auf mehrere parlamentarische Vorstösse vertrat der Bundesrat in den letzten Jahren die Ansicht, dass die Liste keine direkten Auswirkungen auf die Schweizer Banken hatte.

Sie erhöhte jedoch den Verwaltungsaufwand fĂŒr Italienerinnen und Italiener, die sich in der Schweiz niederlassen wollen. Ausserdem hatte sie einen negativen Beigeschmack fĂŒr das Image der Schweiz.

Bereits vorher hatte Italien die Schweiz von zwei schwarzen Listen in Steuerfragen gestrichen, diese betrafen aber die Unternehmensbesteuerung.

Zudem einigten sich beide Seiten auf eine VerstĂ€ndigungsvereinbarung. Diese wollen sie unterzeichnen, sobald Italien die gesetzliche Grundlage fĂŒr die Streichung aus der schwarzen Liste verabschiedet hat.

Diese Vereinbarung enthĂ€lt eine vorĂŒbergehende Regelung fĂŒr die Besteuerung von GrenzgĂ€ngerinnen und GrenzgĂ€ngern, welche im Homeoffice arbeiten. Ihre Geltungsdauer erstreckt sich vom 1. Februar bis zum 30. Juni 2023.

Auf den 1. Februar mussten GrenzgÀnger wieder in ihren Betrieben in der Schweiz arbeiten, wenn sie ihre Steuervorteile nicht verlieren wollten. Ansonsten wÀren sie im Wohnsitzland besteuert worden.

Ein entsprechendes Abkommen war abgelaufen. Es war wegen der Covid-19-Pandemie 2020 geschlossen worden, um sicherzustellen, dass im Homeoffice arbeitende GrenzgĂ€ngerinnen und GrenzgĂ€nger nicht steuerlich benachteiligt werden. Rund 77’000 italienische GrenzgĂ€nger arbeiten im Tessin, viele davon im Gesundheitswesen.

Keller-Sutter zeigte sich gemÀss Communiqué erfreut: Zwei wichtige offene Steuerfragen hÀtten sich klÀren lassen. Der italienische Finanzminister Giorgetti war zuversichtlich, dass das Parlament das neue Abkommen zur GrenzgÀngerbesteuerung in den nÀchsten Wochen ratifizieren wird, wie das EFD mitteilte. Die eidgenössischen RÀte hiessen das Abkommen bereits im MÀrz 2022 gut.

(text:sda/bild:keystone)