20 Mai 2021

Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe

Nach elf Tagen schwerer K√§mpfe haben sich Israel und die militanten Pal√§stinenser im Gazastreifen auf eine Waffenruhe geeinigt. Sie folgten damit einem Vorschlag √Ągyptens, das zwischen den Kontrahenten vermittelt hatte, wie ein Sprecher der israelischen Regierung und Repr√§sentanten der islamistischen Hamas im Gazastreifen am sp√§ten Donnerstagabend best√§tigten.

Die Waffenruhe sei einseitig und erfolge ohne jegliche Vorbedingungen, sagte ein Sprecher des israelischen Ministerpr√§sidenten Benjamin Netanjahu. Die politische F√ľhrung habe betont, dass die Realit√§t vor Ort das weitere Vorgehen bei den K√§mpfen bestimmen werde. Sollten etwa die Pal√§stinenser ihre Raketenangriffe fortsetzen, sei die Waffenruhe umgehend wieder aufgehoben. Direkt nach der Mitteilung √ľber Israels Entscheidung f√ľr eine Waffenruhe gab es erneut Raketenalarm in den israelischen Grenzorten am Rande des Gazastreifens.

Trotzdem bekannte sich auch die Hamas zu der indirekt erzielten Vereinbarung. „Die Waffenruhe ist wechselseitig und tritt beidseitig am Freitag 02.00 Uhr (01.00 Uhr MESZ) in Kraft“, sagte Taher al-Nuno, ein Berater des Hamas-Chefs Ismail Hanija, in Gaza. Der „bewaffnete Widerstand“ der Pal√§stinenser werde sich so lange an sie halten, so lange dies die israelische Seite tue, f√ľgte er hinzu.

Die Zustimmung der Islamisten kam nicht √ľberraschend. Die Angriffe des israelischen Milit√§rs auf ihre Infrastruktur im Gazastreifen, darunter Tunnels, Bunker, Waffenlager und Waffenwerkst√§tten, haben der Hamas erhebliche Verluste zugef√ľgt.

In den Stunden vor der Verk√ľndung der Waffenruhe hatte Bundesaussenminister Heiko Maas Israel und die Pal√§stinensergebiete besucht. Dabei stellte er sich erneut mit aller Deutlichkeit an die Seite des j√ľdischen Staates. „F√ľr uns ist die Sicherheit Israels, genauso die Sicherheit aller J√ľdinnen und Juden in Deutschland, nicht verhandelbar“, betonte er.

Maas schlugen von seinen israelischen Gastgebern Sympathie und Wohlwollen entgegen. Sein Kollege Gabi Aschkenasi bedankte sich bei ihm f√ľr die Solidarit√§t Deutschlands. „Ich danke ihm, dass er uns besucht in dieser Zeit, in einer Zeit, wo Raketen fallen.“

Maas kam bei seinem Besuch auch mit Pr√§sident Reuven Rivlin, Verteidigungsminister Benny Gantz und Ministerpr√§sident Benjamin Netanjahu zusammen. Letzterer pr√§sentierte dabei zwei Tr√ľmmerteile einer Drohne. „Iran hat uns diese bewaffnete Drohne geschickt“, sagte er dazu. Die israelischen Streitkr√§fte h√§tten sie an der Grenze zu Jordanien abgeschossen. In den Abendstunden traf Maas in Ramallah im Westjordanland den pal√§stinensischen Pr√§sidenten Mahmud Abbas.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas verurteilte die √Ąusserungen von Maas als „parteiisch“. „Wir sind schockiert von den Medienerkl√§rungen des deutschen Aussenministers (…) in Hinblick auf die Lage in den besetzten pal√§stinensischen Gebieten“, schrieb das B√ľro f√ľr internationale Angelegenheiten der Hamas in einer Mitteilung.

Militante Palästinenser griffen am Donnerstag vom Gazastreifen aus die angrenzenden Gebiete in Israel nahezu ununterbrochen mit Raketen und Mörsern an. Das israelische Militär forderte die Bewohner in Grenznähe zu Gaza dazu auf, in den Luftschutzkellern zu bleiben. Aber auch in den etwas weiter entfernten Städten Aschkelon und Beerscheva heulten immer wieder die Sirenen.

Der Konflikt war am 10. Mai mit dem Raketenbeschuss der Hamas auf Jerusalem eskaliert. Israel reagierte darauf mit massiven Angriffen in dem K√ľstengebiet. Nach Angaben des pal√§stinensischen Gesundheitsministeriums wurden bis zum Donnerstag 232 Pal√§stinenser get√∂tet, unter ihnen 65 Kinder und Jugendliche. 1900 Menschen wurden verletzt.

Militante Pal√§stinenser feuerten nach israelischen Milit√§rangaben insgesamt 4340 Raketen auf Israel ab, von denen 640 noch im Gazastreifen niedergingen. Das israelische Abwehrsystem Eisenkuppel („Iron Dome“) fing 90 Prozente der Geschosse ab. Zw√∂lf Israelis kamen durch den Beschuss ums Leben, mehr als 300 erlitten Verletzungen.

Auch die K√ľstenmetropole Tel Aviv – Israels Wirtschaftszentrum – war in dieser Eskalationsrunde des Konflikts so heftig mit Raketen beschossen worden wie nie zuvor. Insgesamt zehn Mal heulten im Grossraum Tel Aviv die Warnsirenen.

(text:sda/bild:unsplash)