10 Oktober 2023

Israel mobilisiert 300 000 Soldaten – Gazastreifen abgeriegelt

Nach den verheerenden Angriffen von Hamas-Terroristen auf Israel mehren sich Anzeichen fĂŒr eine bevorstehende Bodenoffensive Israels im Gazastreifen. Israel ordnete die komplette Abriegelung des nur 40 Kilometer langen und sechs bis zwölf Kilometer breiten Gebietes an, wĂ€hrend die Armee 300 000 Reservisten mobilisiert. „Was die Hamas erleben wird, wird hart und fĂŒrchterlich sein. Wir sind erst am Anfang“, hatte MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu gesagt und Rache geschworen.

Die Menschen in Israel wurden angewiesen, sich mit ausreichend Nahrung, Wasser und Medikamenten einzudecken. Die VorrĂ€te sollten mindestens 72 Stunden reichen, teilte das MilitĂ€r mit. Deutschland, die USA, Grossbritannien, Frankreich und Italien versicherten dem angegriffenen Land gemeinsam ihre SolidaritĂ€t. Zusammen wĂŒrden „unsere unerschĂŒtterliche und vereinte UnterstĂŒtzung“ fĂŒr Israel zum Ausdruck gebracht „und die Hamas und ihre schrecklichen Terrorakte unmissverstĂ€ndlich“ verurteilt, hiess es in einer in der Nacht zu Dienstag veröffentlichten Mitteilung der Bundesregierung.

Bundeskanzler Olaf Scholz schrieb auf X (ehemals Twitter): „Unsere 5 LĂ€nder werden sicherstellen, dass Israel sich und seine BĂŒrger gegen die abscheulichen Angriffe verteidigen kann.“ Die Hamas drohte unterdessen, fĂŒr jeden von Israel ausgefĂŒhrten Angriff eine zivile Geisel hinzurichten, wie ein Sprecher sagte. Sie hatte rund 150 israelische Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Darunter sind auch BĂŒrger mehrerer westlicher Staaten, darunter eine Deutsche.

Israels Armee nahm eigenen Angaben zufolge Hunderte Hamas-Mitglieder in Gefangenschaft. Die von der EU, den USA und Israel als Terrororganisation eingestufte Hamas teilte dem arabischen Sender Al-Dschasira mit, die Gruppe sei offen fĂŒr Vermittlungen. Schon zuvor hatte die islamistische Organisation einen Gefangenenaustausch sowie die Freilassung von 36 inhaftierten PalĂ€stinenserinnen in Israel fĂŒr die Übergabe von Ă€lteren entfĂŒhrten Israelinnen gefordert.

Beim am Wochenende begonnenen Angriff der Hamas-Terroristen wurden mindestens 900 Menschen getötet und 2600 Menschen verletzt. Unter den Toten befĂ€nden sich auch mindestens elf amerikanische StaatsbĂŒrger, erklĂ€rte US-PrĂ€sident Joe Biden am Dienstag auf der Plattform X.

Die Terroristen waren in israelische Orte eingedrungen und erschossen MÀnner, Frauen und Kinder und verschleppten andere in den Gazastreifen. Bei den massiven israelischen GegenschlÀgen wurden im Gazastreifen nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mindestens 687 Menschen getötet und mehr als 3800 verletzt. UnbestÀtigten Medienberichten zufolge sollen sich die Leichen von rund 1500 palÀstinensischen Terroristen auf israelischem Gebiet befinden. Derzeit dringen keine Terroristen mehr in Israel ein, wie es unter Berufung auf einen israelischen MilitÀrsprecher hiess.

FĂŒr die rund zwei Millionen ĂŒberwiegend armen Bewohner des Ă€usserst dicht besiedelten Gazastreifens dĂŒrfte sich die Lage mit der kompletten Abriegelung durch Israel nun weiter verschlechtern. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant sagte: „Es wird keinen Strom, keine Lebensmittel und keinen Treibstoff geben.“ Deutschland, die EU und andere Staaten teilten mit, sie setzten Hilfen fĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung angesichts des Hamas-Terrors zunĂ€chst aus. Die deutschen Programme wĂŒrden umfassend und mit offenem Ausgang ĂŒberprĂŒft, sagte eine Sprecherin des Entwicklungsministeriums in Berlin.

Israels Armee griff derweil im Gazastreifen weiterhin Ziele militanter PalÀstinenser an. Die Stellungen seien aus der Luft und von Schiffen aus attackiert worden, teilte die Armee am spÀten Montagabend mit. Das MilitÀr habe unter anderem Waffenlager, Tunnel und eine Hamas-Kommandozentrale in einer Moschee bombardiert.

WĂ€hrenddessen gab es auch im Westjordanland wieder Auseinandersetzungen mit Toten. Auch an Israels Nordgrenze zum Libanon gab es Gefechte, was die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts verstĂ€rkte. Israelische Soldaten hĂ€tten mehrere Bewaffnete erschossen, die nach Israel vorgedrungen waren, teilte das israelische MilitĂ€r mit. Die wie die Hamas mit dem Iran verbĂŒndete Schiitenorganisation Hisbollah dementierte eine Beteiligung.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), forderte eine hĂ€rtere Gangart gegenĂŒber dem Iran. „Der grösste UnterstĂŒtzer des Terrors der Hamas ist der Iran“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Deshalb mĂŒsse Deutschland gemeinsam mit den Partnern in der EuropĂ€ischen Union und den USA die Sanktionen gegen das Land ausweiten.

(text:sda/bild:keystone)