27 Oktober 2022

Iran: Mindestens 15 Tote nach mutmasslichem IS-Angriff

Bei einem Terroranschlag in der sĂŒdiranischen Grossstadt Schiras sind nach Angaben staatlicher Medien mindestens 15 Menschen getötet worden. In der Millionenstadt sollen an der schiitischen HeiligstĂ€tte Schah Tscheragh zudem Dutzende weitere Menschen verletzt worden sein, berichtete das Staatsfernsehen am Mittwoch. Augenzeugen zufolge gab es rund um den Schrein ein grosses Aufgebot an Polizei und SicherheitskrĂ€ften.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Attacke auf einem Telegram-Kanal fĂŒr sich. Immer wieder verĂŒben die sunnitischen Dschihadisten etwa in Afghanistan Angriffe auf schiitische Muslime, die sie als AbtrĂŒnnige des Islam bezeichnen und verachten. Im Iran sind solche AnschlĂ€ge aber sehr ungewöhnlich. PrĂ€sident Ebrahim Raisi verurteilte den Anschlag und kĂŒndigte nach Angaben des PrĂ€sidialamts eine konsequente Reaktion an.

Massenproteste 40 Tage nach Mahsa Aminis Tod

Offenbar stand der Anschlag nicht im Zusammenhang mit den Massenprotesten im Iran nach dem Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini. Auch am Mittwoch – 40 Tage nach ihrem Tod – waren im ganzen Land zahlreiche Menschen auf die Strassen gegangen. Im Iran wird nach dem Tod eines Familienmitglieds traditionell 40 Tage lang getrauert. Zuvor hatten Aktivisten anlĂ€sslich des Trauertags zu landesweiten Protesten aufgerufen.

In mehreren StĂ€dten sollen SicherheitskrĂ€fte Berichten zufolge auf Demonstranten geschossen haben. In der Hauptstadt Teheran gingen SicherheitskrĂ€fte mit TrĂ€nengas gegen eine Demonstration von Ärzten vor. Gegen Abend kamen in Teheran auch Menschen zusammen, um ausgelassen auf der Strasse zu singen. Im Norden der Metropole waren viele Frauen ohne das obligatorische Kopftuch zu sehen, wie Augenzeugen berichteten.

Die Sittenpolizei hatte Mahsa Amini festgenommen, weil sie gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verstossen haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem.

USA befĂŒrchten russische Hilfe bei Niederschlagung der Proteste

Derweil Ă€usserten sich die USA besorgt ĂŒber eine mögliche UnterstĂŒtzung Moskaus bei der Niederschlagung der Massenproteste im Iran. „Wir wissen, dass sie möglicherweise eine Art UnterstĂŒtzung fĂŒr die FĂ€higkeit des Irans, gegen Demonstranten vorzugehen, in Betracht ziehen, und leider hat Russland darin Erfahrung“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, am Mittwoch in Washington. Etwas unklar blieb auf Nachfrage von Journalistinnen und Journalistinnen, ob diese mutmassliche UnterstĂŒtzung bereits begonnen haben soll oder nicht.

Israels Staatsoberhaupt Izchak Herzog kritisierte den Iran erneut mit scharfen Worten. „Heute lĂ€sst das iranische Regime Tausende von iranischen BĂŒrgern, MĂ€nner, junge MĂ€nner und Frauen, unterdrĂŒcken, die demonstrieren und sich einfach nur fĂŒr ihre eigenen Freiheiten einsetzen“, sagte Herzog am Mittwoch bei einem Treffen mit US-PrĂ€sident Joe Biden in Washington. Herzog warnte vor den atomaren FĂ€higkeiten Teherans. Das Land liefere ausserdem tödliche Waffen, mit denen unschuldige Menschen in der Ukraine getötet wĂŒrden. Biden betonte bei dem Treffen, dass die Ideen und Werte Israels und der Vereinigten Staaten dieselben seien.

Joko und Klaas verschenken Insta-Accounts an Aktivistinnen

Derweil unterstĂŒtzen zwei der bekanntesten Entertainer Deutschlands die systemkritische Protestbewegung im Iran mit geballter Aufmerksamkeit: Joko und Klaas haben ihre persönlichen Instagram-Accounts „fĂŒr immer“ an zwei iranische Aktivistinnen verschenkt – es geht dabei um zusammen fast zwei Millionen Follower. Die beiden ProSieben-Moderatoren kĂŒndigten die SolidaritĂ€tsaktion am Mittwochabend in der Sendung „Joko und Klaas 15 Minuten live“ an. Zuvor hatten sie alle ihre eigenen Posts gelöscht. Minutenlang brachte ProSieben zur besten Sendezeit Aufnahmen der Proteste im Iran und Bilder davon, wie brutal SicherheitskrĂ€fte dagegen vorgehen.

(text:sda/bild:pixabay-symbolbild)