Iran-Krieg bremst den Schweizer Tourismus auch 2027
Der Iran-Krieg dürfte den Schweizer Tourismus noch weit über das laufende Jahr hinaus belasten. Hohe Flugpreise und eingeschränkte Flugverbindungen zwischen Asien und Europa bremsen die Nachfrage. Eine vollständige Erholung der Fernmärkte ist laut BAK Economics erst längerfristig zu erwarten.
Die Logiernächte von Gästen aus Asien gingen in der Sommersaison 2026 um 11 Prozent zurück. Besonders ausgeprägt war der Einbruch bei Reisenden aus Indien mit einem Minus von 19 Prozent, wie Simon Flury, Tourismusexperte von BAK Economics, am Dienstag an einer Medienkonferenz sagte.
Ein wesentlicher Grund dafür sind die Einschränkungen des Flugverkehrs über die Golfstaaten. Zwar hätten sich die Flugkapazitäten inzwischen teilweise erholt, so Flury, lägen aber weiterhin unter dem Vorkriegsniveau.
Zusätzlich belasten die hohen Kerosinpreise. Diese könnten sich im kommenden Jahr noch stärker auf die Flugtickets auswirken. Viele Fluggesellschaften hätten ihren Treibstoff über längerfristige Verträge zu günstigeren Preisen abgesichert, erklärte Flury. Mit dem Auslaufen dieser Verträge könnten die höheren Kosten nun zunehmend an die Passagiere weitergegeben werden.
BAK erwartet deshalb nur eine langsame Erholung der Fernmärkte. Für die Wintersaison 2026/27 rechnen die Ökonomen bei den Logiernächten aus diesen Märkten mit einem Plus von lediglich 1,0 Prozent. Im Sommer 2027 dürfte sich das Wachstum zwar auf 3,3 Prozent beschleunigen, die Nachfrage aus Asien aber weiterhin unter dem Vorkriegsniveau liegen.
Zusätzliche Probleme bestehen bei den chinesischen Gästen. Neben der schwachen Konjunktur und der Immobilienkrise bremsen hier laut Flury auch staatliche Massnahmen den Auslandtourismus. So fördere China gezielt Ferien im eigenen Land. Gewisse Staatsangestellte müssten zudem für Auslandsreisen eine Genehmigung einholen.
Auch die Nachfrage aus den USA verliere an Schwung. Hier rechnet BAK wegen des schwachen Dollars und der hohen Flugpreise für die Wintersaison 2026/27 mit einer weitgehenden Stagnation der Logiernächte (+0,1%).
Erst 2028 dürfte die Erholung der Fernmärkte wieder stärker an Fahrt gewinnen. Neben einer Normalisierung des Flugverkehrs erwartet BAK dann auch Impulse aus Ländern wie Australien, Brasilien und Kanada. China dürfte dagegen weiterhin hinter der früheren Nachfrage zurückbleiben.
(text:sda/bild:unsplash)