7 November 2021

Hohe Fallzahlen belasten ├ľsterreichs Wintersaison

├ľsterreich steht vor einer schwierigen Wintersaison. M├Âgliche Reisewarnungen wegen der hohen Coronazahlen hingen wie ein Damoklesschwert ├╝ber der Hotel- und Gastst├Ąttenbranche, sagte die Hotellerie-Sprecherin in der Wirtschaftskammer ├ľsterreich, Susanne Kraus-Winkler.

Obendrein w├╝rden in den n├Ąchsten Wochen noch etwa 8’000 bis 10’000 Saisonkr├Ąfte gesucht. „Wir haben fast weltweit einen Mitarbeitermarkt, so dass sich die Kr├Ąfte ihre Stellen sehr genau aussuchen“, sagte Kraus-Winkler der Deutschen Presseagentur (DPA).

Manche Hotels h├Ątten mehrere Angestellte allein f├╝r die Suche nach weiteren Mitarbeitern abgestellt. Ein grosses Problem sei zudem, dass wohl bis zu 3000 Kr├Ąfte mit dem russischen Impfstoff Sputnik V geimpft seien, der aber wegen fehlender Zulassung in ├ľsterreich nicht anerkannt werde.

„Wir dr├Ąngen die Bundesregierung seit Wochen, hier aktiv zu werden und zum Beispiel Kreuz-Impfungen mit anderen Stoffen als Impfnachweis gelten zu lassen“, so Kraus-Winkler weiter. Auch bei G├Ąsten aus Osteuropa zeichne sich hier ein Problem ab.

Viele Hotels tendierten schon l├Ąnger zu einer 2G-Regel f├╝r Geimpfte und von Corona Genesene, wie sie nun ab Montag gilt. „Lieber eine sichere Saison als gar keine Saison“, sei das Motto, sagte Kraus-Winkler. Ab Montag gilt die 2G-Regel bundesweit in der Gastronomie, der Hotellerie, bei Veranstaltungen mit mehr als 25 Teilnehmenden und bei k├Ârpernahen Dienstleistungen, wie etwa Friseurbesuchen. Und diese zeigt allem Anschein nach bereits Wirkung: Wie von der Regierung erhofft, holten sich viele Menschen am Wochenende sozusagen in letzter Minute ihren ersten Stich.

Angesichts der exponentiell steigenden Corona-Infektionen und der sich f├╝llenden Intensivstationen geht Kanzler Alexander Schallenberg (├ľVP) nicht davon aus, dass diese Einschr├Ąnkungen f├╝r Ungeimpfte binnen sechs Wochen aufgehoben werden k├Ânnen. „Es wird wohl ein 2-G-Weihnachten werden“, sagte der neue konservative Regierungschef der „Kronen Zeitung“ (Sonntag). „Allerh├Âchstwahrscheinlich“ werde die Regel auch an Silvester noch in Kraft sein, f├╝gte Vizekanzler Werner Kogler (Gr├╝ne) im gemeinsamen Interview hinzu.

Auf die Ank├╝ndigung der Regierung am Freitagabend folgten keine Massendemonstrationen, sondern Schlangen bei Impfzentren im ganzen Land. Allein am Samstag meldete das Gesundheitsministerium fast 32 000 Impfungen, wodurch die Wochenstatistik auf 213 000 kletterte – so viele w├Âchentliche Dosen waren es zuletzt Anfang August. Allerdings machten die Erstimpfungen am Samstag nur ein Drittel der Stiche aus.

Der Druck auf Ungeimpfte und die Impfzahlen stiegen in den letzten Tagen n├Ąmlich nicht nur wegen der kommenden 2G-Regel: Seit Anfang November m├╝ssen nicht geimpfte oder genesene Arbeitende in ihren Betrieben mehrmals w├Âchentlich einen Testnachweis mitbringen (3G-Regel). Ausserdem holen sich dieser Tage viele Menschen bereits ihre dritte Dosis.

Das Wiener Gratisblatt „Heute“ hat die 2G-Regel auf ihren Titelblatt jedenfalls schon mal griffig als „Schnitzel-Lockdown“ definiert. Im Leopoldauerhof, einem Wiener Gasthaus nahe der Stadtgrenze, sieht man die Massnahme pragmatisch: „Man muss das hinnehmen“, sagte Gesch├Ąftsf├╝hrer Alen Vinca der Deutschen Presse-Agentur und verwies auf die hohen Corona-Zahlen.

Vinca rechnet allerdings damit, dass nun zehn Prozent der G├Ąste wegen fehlendem Impfnachweis ausbleiben werden. Ausserdem f├╝rchtet er Absagen von Firmen-Weihnachtsfeiern. Gastgewerbe und Tourismus zeigten insgesamt Verst├Ąndnis: Die Regierung habe wegen der Ansteckungsdynamik keine andere Wahl gehabt, sagte Robert Seeber, der die Sparte in der Wirtschaftskammer vertritt. „Ausserdem ist der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Infektionsgeschehen ein wichtiges Signal an unsere Herkunftsm├Ąrkte, insbesondere gegen├╝ber Deutschland“. Es m├╝sse jetzt alles getan werden, um w├Ąhrend der Skisaison Reisewarnungen zu verhindern.

„Ich bin daf├╝r, aber es kommt zu sp├Ąt“, sagt Herbert, ein Gast im Leopoldauerhof, ├╝ber 2G. Im Juli hatte der vorige Kanzler Sebastian Kurz (├ľVP) verk├╝ndet: „F├╝r jeden, der geimpft ist, ist die Pandemie vorbei“. ├ťber die Sommermonate gab es vonseiten der Regierung keine gross angelegten Werbekampagnen f├╝r Erstimpfungen.

Nun steht ├ľsterreich bei knapp 65 Prozent an Menschen mit vollem Impfschutz – einer der niedrigsten Werte in Westeuropa. Am Samstag erreichte die Zahl der t├Ąglichen Corona-Neuinfektionen einen Rekordwert von 9943, am Sonntag waren es 8554. Die Sieben-Tage-Inzidenz in ├ľsterreich lag zuletzt bei rund 570.

Gesundheitsminister Wolfgang M├╝ckstein (Gr├╝ne) gab sich am Sonntag gegen├╝ber der „Kleinen Zeitung“ realistisch: Etwa f├╝nfzehn Prozent der Menschen seien absolut gegen eine Impfung, acht Prozent k├Ânnten noch ├╝berzeugt werden. Jetzt m├╝sse aber nicht nur geimpft, sondern auch die 2G-Regel konsequent umgesetzt werden, forderte er und spielte auf die vielerorts lasche Kontrolle der bisherigen 3G-Regel in Lokalen an. „Wenn es bei uns an manchen Orten mit einer augenzwinkernden Wurschtigkeit weitergeht, wird das nicht funktionieren“, sagte er.

(text:sda,cs/bild:unsplash)