Hitze und Dürre: Oberländer Wald geht in «Herbstmodus»
In vielen Regionen des Berner Mittellandes, insbesondere im Seeland, dem Buecheggberg und am Jurasüdfuss, kann man sich beim Waldspaziergang schon im Herbst wähnen: Das Laub verfärbt sich braun, die Bäume lassen ihre Blätter fallen. Es ist die Folge der anhaltenden Hitzeperioden und Dürre. Dieser «Herbstzustand» sei im Grunde genommen eine Schutzfunktion des Baums, erklärt der Regionenverantwortliche Oberland Ost beim kantonalen Amt für Wald, Thomas Girod, gegenüber Radio BeO. Noch sei das Phänomen im Oberland weniger ausgeprägt als in anderen Regionen des Kantons – weil es ab und zu Gewitter und sonstige Niederschläge gegeben habe. Aber in den letzten Wochen, könne man es auch in den Oberländer Wäldern vermehrt beobachten.
Die Bäume könnten diesen Notzustand grundsätzlich ein Jahr verkraften, nicht aber in diversen Folgejahren. Und wissenschaftliche Forschung aus anderen Regionen der Schweiz habe gezeigt, dass Spätfolgen, beispielsweise das Absterben von Kronenteilen oder des ganzen Baumes, auch einige Jahre später noch eintreten könne.
Aufgrund des Klimawandels dürften solche Hitze- und Trockenheitsperioden künftig häufiger werden. Das werde auch die Oberländer Wälder verändern, so Girod. Der Nadelholzanteil werde sinken, das besser auf Hitze und Dürre vorbereitete Laubholz weiter steigen. Zudem versuche man, durch das Aufforsten mit klimaresilienteren Baumarten, die Schutzfunktion des Waldes zu erhalten. Das sei allerdings für Waldbesitzende und Forstbetriebe eine Herkulesaufgabe.
Und während der Berner Wald bereits leidet, folgt noch die nächste Hiobsbotschaft: Umweltminister Albert Rösti hat die Mittel für die klimataugliche Aufforstung aus der Finanzplanung der nächsten Jahre gestrichen, sehr zum Unmut der Kantone. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat die entsprechenden Berichte der «NZZ am Sonntag» bestätigt.
(text:csc/bild:unsplash)