21 Oktober 2023

Hilfen in den Gazastreifen laufen an – International Erleichterung

Erste Hilfslieferungen in den Gazastreifen sind angelaufen. Einige Lastwagen fuhren am Samstag von ├ägypten in den pal├Ąstinensischen Bereich des Grenz├╝bergangs Rafah, wie auf Bildern im ├Ągyptischen Fernsehen zu sehen war. Dem ├ägyptischen Roten Halbmond zufolge sollen die 20 Lastwagen vor allem mit Nahrungs- und Arzneimitteln beladen sein. Es sind die ersten Lieferungen ├╝ber Rafah seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas am 7. Oktober.

Rafah ist derzeit der einzige Weg, Hilfe f├╝r die notleidende Zivilbev├Âlkerung in den Gazastreifen zu bringen. Wie lange die Grenze offen bleiben sollte, blieb zun├Ąchst unklar. UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths erkl├Ąrte, den Hilfslieferungen seien tagelange intensive Verhandlungen vorausgegangen. Letztlich hatten sich alle Seiten auf den Konvoi mit 20 Lastwagen verst├Ąndigt.

Die USA, ├ägypten und Israel wollten vermutlich sicherstellen, dass mit den Lastwagen nichts ausser humanit├Ąrer Hilfe ├╝ber die Grenze gebracht wird. Umstritten war auch die Lieferung von Treibstoff. Israel hatte Hilfslieferungen von seiner Seite aus an die Bedingung gekn├╝pft, dass die Hamas alle der rund 200 Geiseln in ihren H├Ąnden zuvor freilassen m├╝sse. Die Hilfslieferungen ├╝ber Rafah stiessen bei Angeh├Ârigen der Geiseln in Israel auf scharfe Kritik.

International Erleichterung ├╝ber Grenz├Âffnung

Unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), EU-Kommissionspr├Ąsidentin Ursula von der Leyen und der britische Aussenminister James Cleverly begr├╝ssten den Beginn der Hilfslieferungen. Scholz schrieb auf der Plattform X, fr├╝her Twitter: „Es ist gut und wichtig, dass jetzt erste humanit├Ąre Hilfe f├╝r die Menschen in Gaza kommt. Sie brauchen Wasser, Nahrung und Medikamente – wir lassen sie nicht allein.“ Von der Leyen nannte auf X den Beginn der Lieferungen „einen wichtigen ersten Schritt, das Leiden unschuldiger Menschen zu lindern“.

Der britische Aussenminister James Cleverly mahnte auf X an, die ├ľffnung des ├Ągyptischen Grenz├╝bergangs Rafah d├╝rfe kein einmaliges Ereignis sein. „Die Hilfe ist eine Rettungsleine f├╝r die Leidenden. Aber sie darf keine einmalige Sache sein“, schrieb er.

Roter Halbmond: Auch Mediziner-Teams fahren in den Gazastreifen

Die G├╝ter sollen ├╝ber das UN-Pal├Ąstinenserhilfswerks UNRWA an die Bev├Âlkerung verteilt werden. Auch Mediziner-Teams w├╝rden am Samstag in den Gazastreifen fahren, sagte Chalid Sajid, Leiter des ├ägyptischen Roten Halbmonds im Nord-Sinai. „Wir warten auf die Erlaubnis, dass ├Ągyptische Krankenwagen passieren, um verletzte Pal├Ąstinenser zu ├Ągyptischen Krankenh├Ąusern zu bringen“.

Zuletzt hatten sich etwa 170 Lastwagen mit humanit├Ąren Versorgungsg├╝tern auf ├Ągyptischer Seite vor dem ├ťbergang gestaut. Die Lkw seien bereit und auf „Stand-by“, sagte eine Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Samstag in Kairo.

In der Nacht zum Samstag sollten bereits zwei Lastwagen die Grenze ├╝berqueren, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Die Lkw hatten demnach Medizin geladen und Medienberichten zufolge auch Leichent├╝cher.

Opfer-Bilanz der israelischen Armee nach zwei Wochen Krieg

Das israelische Milit├Ąr ver├Âffentlichte am Samstag die Opferzahlen nach zwei Wochen Krieg. In Folge der Angriffe von Hamas-Terroristen seien mehr als 1400 Tote zu beklagen, mehr als 4600 Menschen seien verletzt worden, hiess es in einem Post auf X.

Die Armee habe inzwischen mehr als 6 900 Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen gez├Ąhlt. Davon seien mehr als 450 noch innerhalb des Gazastreifens eingeschlagen. Nach Milit├Ąrangaben wurden mehr als 1000 Hamas-Terroristen – auch auf israelischem Gebiet – „neutralisiert“. Das bedeutet in der Regel, dass sie get├Âtet wurden. Auch dutzende Hamas-F├╝hrer seien eliminiert worden, hiess es.

Israel verh├Ąngte nach den den Hamas-Angriffen eine Blockade des Gazastreifens und bombardiert dort seither Ziele. Bei den Angriffen starben nach j├╝ngsten Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen 4137 Menschen, davon 70 Prozent Kinder und Frauen. Mehr als 1000 Menschen w├╝rden vermisst. Sie bef├Ąnden sich vermutlich unter den Tr├╝mmern. In der aktuell praktisch von der Aussenwelt abgeschnittenen pal├Ąstinensischen K├╝stenenklave leben gut zwei Millionen Menschen.

(text:sda/bild:keystone)