13 August 2023

G├╝terzug wegen gebrochenen Rads im Gotthardbasistunnel entgleist

Der im Gotthardbasistunnel verunfallte G├╝terzug d├╝rfte wegen eines Radscheibenbruchs entgleist sein. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat einige Kilometer vor dem Unfallort Fragmente eines Rads und Entgleisungsspuren gefunden.

Der G├╝terzug war am fr├╝hen Donnerstagnachmittag bei der Multifunktionsstelle Faido verungl├╝ckt. Seither seien ein bis zwei Fachleute vor Ort, um die Spuren zu sichern und zu dokumentieren, sagte Christoph Kupper am Sonntag gegen├╝ber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Kupper leitet bei der Sust den Bereich Bahnen und Schiffe.

Die Sust hat die Aufgabe, die Ursachen von Unf├Ąllen herauszufinden mit dem Ziel, die Sicherheit zu gew├Ąhrleisten oder zu erh├Âhen. Alleiniger Zweck der Untersuchung ist somit die Verh├╝tung von Eisenbahn-, Seilbahn- oder Schiffsunf├Ąllen, nicht aber die Feststellung von Schuld oder Haftung.

Die Fachleute der Sust n├Ąherten sich zu Fuss vom S├╝dportal her mit Taschenlampen bewaffnet dem Unfallort. Einige Kilometer vor diesem h├Ątten sie Fragmente eines Rades und an den Gleisanlagen Entgleisungsspuren gefunden, sagte Kupper. Bei der Multifunktionsstelle seien sie dann auf ungeordnete G├╝terwagen gestossen.

Die Z├╝ge, die von S├╝den her in den Basistunnel fahren, werden bei Claro TI automatisch durch Zugkontrolleinrichtungen gepr├╝ft. Gem├Ąss den vorliegenden Daten sei der G├╝terzug “gesund” in den Tunnel eingefahren, sagte Kupper.

Die Sust geht deswegen davon aus, dass die Radscheibe des G├╝terwagens im Tunnel gebrochen ist. Es seien alle Fragmente des Rades sichergestellt worden, sagte Kupper. Es handle sich um mehrere gr├Âssere Teile.

Wie es zum Radscheibenbruch kam, sei noch offen, erkl├Ąrte Kupper. M├Âglich seien ein ├Ąusserer Einfluss oder ein Erm├╝dungsbruch. Um Klarheit zu schaffen, w├╝rden die Radteile metallurgisch untersucht.

Trotz des gebrochenen Rades konnte der Wagen gem├Ąss Kupper noch ├╝ber mehrere Kilometer vom Zug mitgef├╝hrt werden. Bei der Weiche in der Multifunktionsstelle, wo die Z├╝ge von der einen in die andere Tunnelr├Âhre wechseln k├Ânnen, driftete der Wagen ab. In der Folge entgleisten alle nach ihm kommenden Wagen, insgesamt ├╝ber 20 St├╝ck.

R├Ąder seien “sicherheitsrelevante Teile”, sagte Kupper. Sowohl bei der Herstellung wie auch beim Unterhalt gebe es deswegen besondere Vorschriften. Solche Radscheibenbr├╝che seien “nicht h├Ąufig”. Einen Fall habe es 2014 bei den Appenzeller Bahnen gegeben.

Zur Arbeit der Sust geh├Ârt es auch, vom Wagenhalter die Dokumentationen zur Instandhaltung zu pr├╝fen. Gleiches gilt f├╝r die Instandhaltung der Bahninfrastruktur. Es gehe dabei auch darum, gewisse Szenarien ausschliessen zu k├Ânnen, sagte Kupper. Angesichts der Schadenh├Âhe d├╝rfte der Unfall auch ein Haftungsthema werden, was jedoch nicht Aufgabe der Sust sei.

Die Arbeit im Tunnel bezeichnete Kupper als “speziell”. Die Temperatur liege bei 40 Grad, Tageslicht gebe es nicht, die Unfallstelle sei nur ├╝ber einen l├Ąngeren Fussmarsch erreichbar.

Vor Ort war auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Die Arbeiten im Tunnel m├╝ssten gut koordiniert werden, sagte Kupper.

Nicht besch├Ądigt wurden bei der Entgleisung die Lokomotive und die vorderen Wagen. Die Sust m├Âchte diesen Teil des Zuges nach Norden verschieben und in Erstfeld UR bei Tageslicht untersuchen.

Die entgleisten G├╝terwagen hatten in der Multifunktionsstelle das geschlossene Spurwechseltor zerst├Ârt. Dieses trennt die beiden Tunnelr├Âhren und wird nur ge├Âffnet, wenn ein Zug das Gleis und damit die Tunnelr├Âhre wechseln muss. Bis der Durchgang zwischen den Tunnels wieder dicht ist, k├Ânnen aus Sicherheitsgr├╝nden keine Z├╝ge durch den Basistunnel fahren.

(text:sda/bild:keystone)