11 Mai 2026

Grosser Rat: FDP stösst die GLP vor den Kopf

Eigentlich sind sie Leidensgenossinnen, die Berner FDP und die Berner Grünliberalen: Bei den Grossratswahlen Ende März haben beide Parteien deutlich an Wähleranteilen verloren, die FDP verlor ein Prozent, die GLP 1.1 Prozent, während aber die FDP ihre Sitze halten konnte, büsste die GLP einen ein. Insgesamt rutschte das Berner Kantonsparlament zulasten der politischen Mitte nach rechts.

Die GLP dürfte jetzt seitens der bürgerlichen Parteien einen ersten Vorgeschmack erhalten haben, aus welcher Richtung der Wind im Berner Rathaus künftig weht: Entgegen der üblichen Rotation stellt die FDP mit Grossrat Christoph Zimmerli einen Kandidaten für das zweite Vizepräsidium des Grossen Rates. Halten die rechtsbürgerlichen Parteien Mitte, FDP, SVP und EDU zusammen, dürfte Zimmerli die Wahl problemlos schaffen, die vier Parteien halten 86 der 160 Sitze.

Die Grünliberalen fühlen sich von der FDP vor den Kopf gestossen: Man nehme die Kandidatur „erstaunt zur Kenntnis“ heisst es am Montag in einer Mitteilung. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die FDP heuer Anspruch auf das zweite Vizepräsidium erhebe, so die GLP weiter, zumal einerseits eine Besetzung der Präsidien mit ausschliesslich rechtsbürgerlichen Vertretungen – die SVP beansprucht das Präsidium, die EDU das Vizepräsidium – den demokratischen Gepflogenheiten widersprechen und die politische Vielfalt des Kantons nicht abbilden würde und andererseits die FDP das Präsidium schon einmal innehatte, seit die GLP letztmalig zum Zug gekommen sei.

Im Rahmen des etablierten, allerdings nirgends festgeschriebenen, Rotationssystems, sind die Grünliberalen überzeugt, dass entweder sie oder die EVP Anspruch auf das zweite Vizepräsidium hat. Die GLP vertraue darauf, dass die 160 Mitglieder des Grossen Rates eine „ausgewogene, demokratisch breit abgestützte Lösung“ unterstütze, heisst es in der Mitteilung weiter. Am 1. Juni wird sich zeigen, ob sich diese Annahme nicht doch als reichlich naiv herausstellt.

Die GLP schlägt ihrerseits den Burgdorfer Grossrat Michael Ritter als zweiten Vizepräsidenten vor.

(text:csc/bild:csc)