11 Oktober 2026

Grosse Antikapitalismus-Demo in Bern ohne grössere Zwischenfälle

An einer unbewilligten Kundgebung gegen Kapitalismus und Imperialismus am Sonntag in Bern haben sich rund tausend Menschen beteiligt. Einen Umzug durch die Innenstadt verhinderte die Polizei mit einem Grossaufgebot. Zu grösseren Zwischenfällen kam es nicht.

Dieses Fazit zog die Polizei am frühen Abend. Alle Strassensperren seien aufgehoben worden, hiess es auf der Online-Plattform X. Allerdings sei eine Person angehalten worden, die sich von der Kundgebung gestört gefühlt und mehrere Messer bei sich getragen habe. Sei sei für weitere Abklärungen abgeführt worden. Ausserdem habe die Polizei Personenkontrollen durchgeführt und Material sichergestellt. Es sei auch zu Verunreinigungen gekommen.

Die unbekannten Organisatoren hatten zu einer Kundgebung am ersten Jahrestag der eskalierten Gaza-Demo aufgerufen. Im Oktober 2025 waren bei einem stundenlangen Gewaltexzess im Stadtzentrum sowohl Polizisten als auch Demonstrierende und Unbeteiligte verletzt worden. Zudem entstand massiver Sachschaden.

Diesmal hatten die Organisatoren angekündigt, sie wollten eine „konfrontative Demo“ vermeiden. Dabei setzten sie auf ein dezentrales Konzept mit mehreren Besammlungsorten. Am meisten Menschen versammelten sich am Nachmittag im Rosengarten, einem beliebten Treffpunkt von Familien und Touristen.

Von dort zogen die Demonstrierenden durch Aussenquartiere in Richtung Reitschule. Begleitet wurden sie von zahlreichen Polizeikräften auch aus anderen Kantonen. Mit Lautsprecheransagen machte die Polizei deutlich, dass sie keine andere Route zulassen werde.

Einzelne Gruppen folgten den Aufrufen im Internet und waren anderswo in der Stadt unterwegs. In den Aufrufen wurden etwa die UBS, das Amthaus und die Raiffeisenbank genannt. Die Kantonspolizei war aber auch im Stadtzentrum allgegenwärtig. Schon kurz nach dem Mittag hatte sie mit gezielten Personenkontrollen begonnen, wie sie im Kurznachrichtendienst X mitteilte.

Die Kundgebung richtete sich generell gegen Kapitalismus und Imperialismus. Die Demonstrierenden forderten ein Ende militärischer Besatzungen und staatlicher Repression sowie den Schutz indigener Völker und die Rückgabe ihrer historischen Land- und Selbstbestimmungsrechte.

Geprägt wurde das Bild des Umzugs von Menschen mit der Kufiya – dem Palästinensertuch – und vielen „Free, free Palestine“-Rufen. Auch Schilder mit der Aufschrift „Israhell“ waren zu sehen, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete.

Die Gewalt an der Gaza-Demo 2025 hatte hohe politische Wellen geworfen. Am Sonntag verfolgte sowohl der kantonale Sicherheitsdirektor Philippe Müller (FDP) als auch der in der Stadt Bern zuständige Gemeinderat Alec von Graffenried (Grüne Freie Liste) das Geschehen vor Ort.

(text:sda/bild:keystone)