Grindelwald: Gemischte Gefühle gegenüber Tourismus
Die Grindelwaldner Bevölkerung hat gemischte Gefühle gegenüber dem Tourismus. Das zeigt eine aktuelle Umfrage zur Tourismusakzeptanz. Zwar anerkennt eine grosse Mehrheit (88 Prozent) den wirtschaftlichen Nutzen, den Tourismus als solches bewerten aber weniger als zwei Drittel der Befragten grundsätzlich als positiv (59 Prozent), fast ein Drittel (30 Prozent) sieht in kritisch. Gespalten zeigen sich die Befragten bei den Auswirkungen des Tourismus: 45 Prozent werten diese als eher positiv, 43 als eher negativ.
Laut Resort Director Bruno Hauswirth gelte es aber bei der Jahreszeit zu differenzieren. Während das Gästeaufkommen im Frühling nur von einer Minderheit als „zu hoch“ erachtet wird, wird es im Herbst (50 Prozent), Winter (51 Prozent) und insbesondere im Sommer (89 Prozent) jeweils von einer Mehrheit der Bevölkerung als „zu hoch“ einschätzt. Die grössten Spannungen zwischen Bevölkerung und Tourismus sind denn auch im Sommer zu verorten.
In vielen Tourismusregionen, etwa in Mallorca, den Kanaren oder Barcelona ist die Stimmung bereits gekippt. Der Leidensdruck der Bevölkerung entlädt sich dort als Proteste – die Wut über die negativen Auswirkungen auf Infrastruktur, Lebensqualität und insbesondere Wohnkosten und Wohnungsnot ist gross und das obwohl gerade die Inseln überwiegend vom Tourismus leben. Davon ist Grindelwald noch weit entfernt. Hauswirth geht auch nicht davon aus, dass die Stimmung in Grindelwald kippen wird. Eine Mehrheit stehe dem Tourismus nach wie vor positiv gegenüber, fast 90 Prozent der Befragten seien sich der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus‘ für Grindelwald bewusst und die Spannungen rund um den Wohnungsmarkt seien ein gesamtschweizerisches Problem. Zudem sei im Moment aufrgrund der geopolitischen Lage alles andere als sicher, dass die Nachfrage im heurigen Sommer abermals so gross sein wird, wie in den letzten beiden. Dennoch habe Grindelwald Tourismus Handlungsbedarf erkannt und sehe in den Umfrageergebnissen auch einen klaren Auftrag, insbesondere in den Bereichen Gästesensibilisierung und – lenkung, aber auch beim Verkehr, weitere Massnahmenzu ergreiffen oder bestehende zu optimieren.
(text:csc/bild:csc)