15 Oktober 2021

GLP und SVP legen im neusten SRG-Wahlbarometer zu – FDP im Tief

W√§ren Anfang Oktober eidgen√∂ssische Wahlen gewesen, w√§re die SVP mit 26,6 Prozent klar die st√§rkste Partei geblieben. Die Gr√ľnliberalen h√§tten im Vergleich zu den Wahlen 2019 um zwei Punkte auf 9,8 Prozent zugelegt. Die FDP h√§tte 1,5 Prozentpunkte verloren.

Gem√§ss dem neusten, am Freitag ver√∂ffentlichten SRG-Wahlbarometer hat auf den Pl√§tzen zwei bis sechs – hinter der klaren Leaderin SVP – eine Ann√§herung der W√§hleranteile stattgefunden. Das Barometer eruierte bei knapp 28’000 Stimmberechtigten die Wahlabsichten zwei Jahre vor den n√§chsten nationalen Parlamentswahlen.

Zwischen der zweitplatzierten SP mit 15,8 Prozent und der sechstklassierten GLP mit 9,8 Prozent W√§hleranteil liegen demnach nur sechs Prozentpunkte. Insbesondere die FDP, die Mitte und die Gr√ľnen liegen gem√§ss der Analyse zum Formstand der Parteien zur Halbzeitlegislatur mit je etwas mehr als 13 Prozent praktisch gleichauf.

Mitverantwortlich f√ľr diesen Gleichstand ist laut Studienautoren die Formbaisse der FDP (minus 1,5 Prozentpunkte) sowie die Fusion von CVP und BDP zur Mitte-Partei. Dazu k√§men die stabilen Wahlabsichten der gr√ľnen W√§hlerschaft.

Dies ist insofern brisant, als sich die Zahl der Bundesratssitze der drei gleichauf liegenden Parteien deutlich unterscheidet. Die FDP hat aktuell zwei Mitglieder in der Landesregierung, die Mitte ein Mitglied, die Gr√ľnen kein Mitglied.

Im Vergleich zu den Nationalratswahlen 2019 h√§tte die SVP Anfang Oktober um einen Prozentpunkt zugelegt. Mit zwei Prozentpunkten den gr√∂ssten Zuwachs h√§tten die Gr√ľnliberalen verbuchen k√∂nnen. Die FDP h√§tte 1,5 Prozent verloren, die SP ein Prozent, die Mitte 0,5 Prozent. Gr√ľne (13,2 Prozent) und EVP (2,1 Prozent) w√§ren stabil geblieben.

Die SVP hat sich im Vergleich zum letzten SRG-Wahlbarometer vom Herbst 2020 laut den Forschern des Instituts Sotomo sogar um 2,5 Prozentpunkte verbessert. Dabei handle es sich um die grösste Veränderung aller Parteien seit der letzten Umfrage.

Vermutlich h√§tten drei Punkte die Partei wieder etwas st√§rker in den Fokus der W√§hlerinnen und W√§hler ger√ľckt, mutmasst der Studienbericht. Erstens habe sich die SVP in der Covid-19-Pandemie als besonders massnahmenkritisch positioniert. Zweitens habe der Bundesrat das institutionelle Rahmenabkommen mit der EU im Sinne der Partei f√ľr gescheitert erkl√§rt. Drittens habe sich die SVP beim CO2-Gesetz knapp gegen alle anderen Parteien durchgesetzt.

Das st√§rkste Motiv der W√§hlenden ist die Ausrichtung der Partei, vor allem bei den Anh√§ngern der Polparteien. Sechs von zehn Befragten entscheiden sich aus diesem Grund f√ľr ihre Partei. F√ľr 22 Prozent steht die L√∂sungskompetenz einer Partei im Vordergrund. Im Unterschied zu den linken Parteien w√ľrden sich jedoch relativ viele SVP-W√§hler „aus Mangel an besseren Alternativen“ f√ľr diese Partei entscheiden, so die Autoren.

H√§ufigstes Wahlmotiv f√ľr die GLP-W√§hlerschaft ist das Bed√ľrfnis nach Neuem. Die Partei profitiert gem√§ss Studienbericht „offenbar immer noch vom Image einer neuen Kraft“. In etwas geringerem Ausmass gelte dies auch f√ľr die gr√ľne W√§hlerschaft und jene der neuen Mitte-Partei. Das deutet f√ľr die Studienmacher darauf hin, „dass das Rebranding bei der Fusion der Traditionspartei CVP mit der BDP die erw√ľnschte Wirkung erzielt“.

F√ľr die Stimmberechtigten geh√∂rt zwar die Bew√§ltigung der Corona-Pandemie zu den drei wichtigsten politischen Herausforderungen. 32 Prozent sind dieser Ansicht. Der Klimawandel wird allerdings noch h√§ufiger genannt. 44 Prozent erachten dessen Bek√§mpfung als wichtigste Aufgabe.

17 Prozent nannten den Schutz der Freiheitsrechte als eine der drei wichtigsten Herausforderungen, was auch den vom Bundesrat beschlossenen Schutzmassnahmen geschuldet sein d√ľrfte. Weitgehend verflogen sind dagegen die Sorgen um die Wirtschaft und die Besch√§ftigungslage. Auch soziale Themen verlieren eher an Gewicht.

Die Teilnehmer der Umfrage konnten sich auch dar√ľber √§ussern, wie sie die Mitglieder des Bundesrates wahrnehmen. Klarer Chef im Ring bleibt diesbez√ľglich Gesundheitsminister Alain Berset (SP). Der schon vorher als besonders einflussreich wahrgenommene Magistrat habe nach zwanzig Monaten Pandemie noch einmal einen deutlichen Sprung im Rating gemacht.

Drei von vier Befragten attestierten Berset den weitaus gr√∂ssten Einfluss. Nur Bundespr√§sident Guy Parmelin (SVP) hat neben dem omnipr√§senten Gesundheitsminister an Einfluss gewonnen, finden die Teilnehmer der Umfrage. Deutlich zur√ľckgefallen diesbez√ľglich ist dagegen Justizministerin Karin Keller-Sutter (FDP). Den geringsten Einfluss attestiert die Sondierung Viola Amherd (Mitte) und Ignazio Cassis (FDP).

Dieser Befund √§ndert allerdings nichts daran, dass Amherd in der Sympathie-Skala nur leicht hinter Berset zur√ľckliegt und sehr beliebt ist. Die wenigsten Sympathien bei den Befragten heimsen die Bundesr√§te Ueli Maurer (SVP) und Ignazio Cassis ein.

Erhoben hat das neuste Wahlbarometer die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der SRG. Ausgewertet wurden die Angaben von 27’976 Stimmberechtigten aus allen Landesteilen. Die Erhebung der Daten fand vom 29. September bis zum 3. Oktober online statt.

Der Stichprobenfehler wird von Sotomo mit plus/minus 1,3 Prozentpunkten angegeben. Durch die Gewichtung ergebe sich eine hohe Repr√§sentativit√§t f√ľr die aktive Stimmbev√∂lkerung.

(text:sda/bild:beo)