2 Januar 2022

Geteilte E-Trottinette schaden dem Klima mehr als sie n├╝tzen

Gemeinsam genutzte E-Trottinette und E-Bikes gelten als umweltschonende Fortbewegungsmittel. Das sind sie aber nicht, wie eine neue ETH-Studie zeigt. Sie stossen unter dem Strich mehr CO2 aus als die Fortbewegungsmittel, die sie ersetzen.

Sie geh├Âren mittlerweile vielerorts zum Stadtbild: Gemeinsam genutzte E-Trottinette oder E-Bikes. Weil sie mit Strom betrieben werden und geteilt werden, gelten sie als klimaschonende Verkehrsmittel, welche die St├Ądte entlasten.

Eine am Sonntag vorab von der “NZZ am Sonntag” ver├Âffentlichte Studie der ETH zeigt aber auf, dass dies gar nicht zutrifft. E-Trottis und E-Bikes helfen nicht, die CO2-Emissionen in den St├Ądten zu reduzieren, im Gegenteil.

Die Verkehrsforschenden konnten zeigen, dass geteilte E-Trottis und E-Bikes haupts├Ąchlich Verkehrsmittel ersetzen, die ohnehin schon nachhaltig sind, also etwa eine Tramfahrt, eine Velofahrt oder eine Strecke zu Fuss. Autofahrten werden hingegen seltener ersetzt.

“Unter den aktuellen Nutzungsbedingungen schaden geteilte E-Trottis und E-Bikes dem Klima mehr als sie n├╝tzen”, wird Daniel Reck vom Institut f├╝r Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT) der ETH in einer Mitteilung zitiert.

Bisherige Studien, welche den geteilten E-Trottis und E-Bikes eine viel bessere Klimabilanz attestierten, gingen in den Berechnungen noch h├Ąufiger davon aus, dass sie eine Autofahrt ersetzen w├╝rden. Die neue Studie konnte die Nutzerpr├Ąferenzen aber pr├Ąziser erfassen.

Zu diesem Zweck sammelten die Forschenden drei Monate lang die Positionsdaten, Buchungen sowie Umfragedaten von 540 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern in der Stadt Z├╝rich.

Damit konnten rund 65’000 Fahrten mit acht verschiedenen Verkehrsmitteln rekonstruiert werden. Diese wurden mit Informationen zum Wetter und zu den jeweils verf├╝gbaren Mobilit├Ątsm├Âglichkeiten erg├Ąnzt. So entstand ein Modell der Verkehrsmittelwahl, das geteilte E-Trottis, E-Bikes, den ├ľV, Velo, Strecken zu Fuss und den Autoverkehr umfasst.

Die schlechtere CO2-Bilanz der geteilten Mikromobile widerspricht dem verbreiteten Leitsatz “Sharing is caring”, also dass Teilen die Umwelt schone. “Das mag in vielen Bereichen stimmen. Ich halte das Sharing-Prinzip durchaus f├╝r sinnvoll”, wird Reck zitiert.

Bei der Mikromobilit├Ąt und ihren Klimafolgen scheine der Sachverhalt jedoch umgekehrt zu sein. Z├╝rich d├╝rfte hier auch keine Ausnahme bilden. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Resultate auf die meisten europ├Ąischen St├Ądte mit gutem ├ľV-Angebot ├╝bertragbar sind.

F├╝r die ETH-Forschenden ist die Studie ein Aufruf an die Betreiber, ihre Systeme zu verbessern. Sie sehen trotz negativer Ergebnisse Potenzial in Sharing-Diensten, etwa wenn geteilte E-Trottis oder E-Bikes das Einzugsgebiet des ├ľV vergr├Âssern w├╝rden.

Denkbar w├Ąre es etwa, dass sie f├╝r Pendlerinnen und Pendlern in den Aussenquartieren die letzte Meile erschliessen w├╝rden. Auch als Entlastung in Stosszeiten seien E-Trottis und E-Bikes sinnvoll. “Ob sich das Potenzial umsetzen l├Ąsst, h├Ąngt davon ab, wie wir Mikromobilit├Ąt in Zukunft nutzen”, so Reck.

Besser abgeschnitten haben in der Studie ├╝brigens private E-Trottis und E-Bikes. Diese ersetzen deutlich h├Ąufiger Fahrten mit dem Auto und stossen demzufolge unter dem Strich weniger CO2 aus als die Verkehrsmittel, die sie ersetzen.

Autofahrten werden selten ersetzt

Besitzen ist besser als Teilen

(text:sda/bild:archiv)