27 Mai 2023

Gesichtsmasken vor Nummernschildern: Irans Polizei droht mit Haft

Gesichtsmasken vor Nummernschildern kleiner Mofas, abgeknickte Plaketten, schwarze Plastikabdeckungen: Weil viele Iranerinnen und Iraner derzeit ihre Nummernschilder verh├╝llen, hat die Polizei in der iranischen Hauptstadt eine scharfe Warnung an Verkehrsteilnehmer ausgesprochen. Es handele sich um eine Straftat – zwischen sechs Monaten und einem Jahr Haft seien vorgesehen, warnte ein hochrangiger Polizeioffizier am Samstag in Teheran, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete.

Das Ph├Ąnomen der Verh├╝llung von Nummernschildern habe mehrere Gr├╝nde, berichten Einwohner in Teheran. Zum einen wollten Verkehrsteilnehmer damit wie in der Vergangenheit Bussgelder vermeiden. Neu ist hingegen, dass viele Frauen auf kleinen Mopeds nun das verpflichtende Kopftuch missachten, ein Zeichen des Protests nach den schweren Aufst├Ąnden im Herbst. Um Strafen durch die neu ausgerollte Video├╝berwachung zu vermeiden, verdecken viele Leute ihre Schilder.

Ausl├Âser der Proteste im Herbst war der Tod der jungen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini im Polizeigewahrsam. Sie war von der Sittenpolizei wegen angeblichen Verstosses gegen die islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden. Nach dem rigorosen Vorgehen des Staatsapparats ist Alltag eingekehrt, doch viele Frauen finden kreative Wege des zivilen Ungehorsams, etwa durch das demonstrative Missachten der Kopftuchpflicht in der ├ľffentlichkeit.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)