3 September 2021

Gericht: SBB-Mitarbeiter manipulierte Bremskontrollen an Z├╝gen

Ein SBB-Techniker hat in einer Werkstatt laut dem Bundesverwaltungsgericht ├╝ber Monate hinweg mutmasslich hunderte Bremskontrollen an Personenz├╝gen manipuliert. Laut dem Bahnunternehmen gef├Ąhrdete er dadurch die Sicherheit der Kundschaft aufs Gr├Âbste.

Anstatt die Bremsen von Personenz├╝gen korrekt zu kontrollieren, trug der Mann fiktive Werte in ein Pr├╝fsystem ein. So wurden defekte Bremsen nicht entdeckt und in Z├╝ge eingebaut. Im Fall einer Notbremse h├Ątten m├Âglicherweise Z├╝ge daher nicht schnell genug gebremst werden k├Ânnen, wie es in einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. August heisst. ├ťber dieses berichteten Tamedia-Zeitungen am Freitag.

Der Techniker ├╝berlistete laut dem noch nicht rechtskr├Ąftigen Urteil mit fingierten Werten das System absichtlich und konnte das Pr├╝fverfahren abk├╝rzen. Aufgeflogen ist der SBB-Mitarbeiter im Mai 2020, nachdem Arbeitskollegen Verdacht gesch├Âpft und ihm eine Falle gestellt hatten.

Wie lange der Mitarbeiter zuvor die Kontrollresultate mutmasslich manipulierte, war zun├Ąchst unklar. Das Bundesverwaltungsgericht nannte hunderte Kontrollen, die der Mann durchf├╝hrte. Bei einer Stichprobe im Mai 2020 waren 80 Prozent von 95 ├╝berpr├╝ften Messungen wohl falsch. Laut der Zeitung ist der Mann 26 Jahre alt und war von 2012 bis 2020 f├╝r die SBB t├Ątig.

Die SBB teilten der Zeitung in einer Stellungnahme mit, es handle sich um einen absoluten Einzelfall. Alle betroffenen Bremszangen seien identifiziert und nachkontrolliert worden. Zudem erkl├Ąrte das Bahnunternehmen, dass ein Fernverkehrszug zwischen 48 und 64 Achsen umfasse, von denen jede einzelne gebremst sei.

Gegen├╝ber dem Gericht hatten die SBB erkl├Ąrt, der Mann habe mit seiner Arbeitsweise den Eisenbahnbetrieb sowie die Sicherheit der Kundschaft auf das Gr├Âbste gef├Ąhrdet.

Der Mann r├Ąumte gegen├╝ber dem Gericht Fehler respektive ungenaue Messungen ein, bestritt jedoch eine absichtliche T├Ąuschung. Zudem sei ein Zusammenhang zwischen seinen Handlungen und festgestellten Sch├Ąden an Bremszangen nicht erwiesen. Er kritisierte seinen Arbeitgeber, er sei ungen├╝gend ausgebildet und instruiert worden.

Die SBB entliessen den Mitarbeiter im Juni 2020 fristlos. Er focht dies an und verlangte eine Entsch├Ądigung in der H├Âhe eines Jahreslohnes. Das Bundesverwaltungsgericht hielt die fristlose K├╝ndigung angesichts der Tragweite aber f├╝r gerechtfertigt und wies die Beschwerde ab. Der Mann kann das Urteil beim Bundesgericht anfechten.

(text:sda/bild:unsplash)