2 Mai 2024

Geldwäscherei-Verdachtsmeldungen in der Schweiz explodieren

Die Meldestelle f√ľr Geldw√§scherei (MROS) hat im vergangenen Jahr eine Rekordzahl von Verdachtsmeldungen registriert. Die gesamthaft 11’876 F√§lle – 47 pro Werktag – bedeuten gegen√ľber dem Vorjahr einen Anstieg von 56 Prozent. Neun von zehn Meldungen stammten aus dem Bankensektor.

Das ist dem MROS-Jahresbericht 2023 zu entnehmen, der diese Woche ver√∂ffentlicht wurde. Demnach stieg im vergangenen Jahrzehnt die Zahl der Verdachtsmeldungen im Durchschnitt j√§hrlich um 20 bis 30 Prozent. Dieser Trend setzte sich 2023 fort – der Anstieg war jedoch erheblich steiler. „Steiler, als dies zu erwarten war“, schrieb die Meldestelle.

Generell habe das gesamte Reporting- und Datenvolumen zugenommen. Bei der MROS gingen im Jahr 2023 gesamthaft 21’375 Reportings ein, also etwa Verdachtsmeldungen, Antworten der Finanzintermedi√§re auf Anfragen der MROS, internationale Anfragen sowie Spontaninformationen nationaler und internationaler Beh√∂rden.

Die Gr√ľnde f√ľr den Anstieg sind laut der Meldestelle vielf√§ltig. So g√§lten seit 2023 kontinuierlich strengere Sorgfalts- und Meldepflichten. Durch die zahlreichen Korruptions- und Geldw√§scherei-Skandale sei zudem das Bewusstsein f√ľr die Wichtigkeit der effektiven Geldw√§schereibek√§mpfung bei den Banken und Versicherungen gestiegen.

Gem√§ss Gesetz muss ein Finanzintermedi√§r immer dann eine Verdachtsmeldung absetzen, wenn er einen konkreten Hinweis oder mehrere Anhaltspunkte dazu hat, dass Verm√∂genswerte kriminellen Ursprungs sein k√∂nnten, und er diesen Verdacht trotz zus√§tzlicher eigener Abkl√§rungen nicht ausr√§umen kann. „Ein Teil der Meldungen d√ľrfte auf diese nun unmissverst√§ndliche Formulierung im Gesetz zur√ľckzuf√ľhren sein“, schreibt die Meldestelle.

Auch die Digitalisierung der Meldevorg√§nge trage einen Teil zum Anstieg bei. Laut der MROS verdoppelten sich die Meldungen innerhalb von zwei Jahren; r√ľckblickend auf die vergangenen zehn Jahre h√§tten sich die Zahlen gar verzehnfacht.

Die MROS erwartet, „dass der Trend der stark zunehmenden Meldungen im Jahr 2024 und dar√ľber hinaus anhalten wird“. Daf√ľr sei die Meldestelle „nur bedingt ger√ľstet“ und stosse mit ihren personellen und technischen Ressourcen an ihre Grenzen. Die MROS besch√§ftigte 2023 durchschnittlich 59 Mitarbeitende mit 50,3 Vollzeitstellen.

Bedingt durch den drastischen Anstieg der Verdachtsmeldungen und des Reportingvolumens kann die Meldestelle nicht mehr alle Informationen im selben Detaillierungsgrad analysieren und weiterverarbeiten, wie es im Jahresbericht heisst. Sie verfolge deshalb einen „risikobasierten Ansatz“ und fokussiere sich auf schwere F√§lle der organisierten Kriminalit√§t, der Terrorismusfinanzierung sowie der Wirtschaftskriminalit√§t.

Das schlug sich auch auf die Zahl der Anzeigen an die Bundesanwaltschaft nieder. Gegen√ľber dem Vorjahr stiegen diese um 43 Prozent. Gleichzeitig waren die Anzeigen an die kantonalen Strafverfolgungsbeh√∂rden – mit Ausnahme des Kantons Genf – im Vergleich zu den Vorjahren r√ľckl√§ufig.

Fakt ist laut der MROS jedoch, dass sich der Anteil der Verdachtsmeldungen, welche vertieft analysiert werden können, aufgrund des kontinuierlichen Anstiegs der Meldungen stetig verringert. Damit nehme das Risiko zu, dass wesentliche Geldwäschereifälle unentdeckt bleiben.

Um diese Defizite auszugleichen, pl√§diert die Meldestelle f√ľr „eine bessere IT-Unterst√ľtzung und/oder mehr personelle Ressourcen“. Die Datenqualit√§t beim Eingang der Meldungen stelle die gr√∂sste Herausforderung f√ľr die Meldestelle dar – und habe damit auch das gr√∂sste Potenzial, um die Effizienz zu steigern.

Eine Herausforderung stellt f√ľr die MROS auch der zunehmende Verkehr von virtuellen W√§hrungen dar, wie es im Jahresbericht heisst. Sogenannte Virtual Assets h√§tten sich zu einem g√§ngigen Werkzeug der Finanzkriminalit√§t entwickelt. „Die Schweiz muss sich den Herausforderungen stellen, um mit den rasanten Entwicklungen Schritt halten zu k√∂nnen.“

Der Bundesrat will derweil zahlreiche neue Massnahmen zur Bek√§mpfung der Geldw√§scherei in der Schweiz einf√ľhren, wie er vergangenen Sommer mitgeteilt hatte. Ein nationales Register f√ľr alle Firmen und andere juristischen Personen mit Angaben zu deren wirtschaftlich Berechtigten ist nur eines dieser Instrumente.

Die MROS schreibt dazu, dass dies zu einem weiteren Anstieg des Meldevolumens f√ľhren werde. Eine moderne Geldw√§schereigesetzgebung sei aber gerade f√ľr das Image der Schweiz als internationaler Wirtschaftsstandort und Finanzplatz von grosser strategischer Bedeutung.

(text:sda/bild:keystone)