14 September 2022

Gedrucktes Telefonbuch wird nach 142 Jahren eingestellt

Immer weniger Personen in der Schweiz veröffentlichen ihre private Telefonnummer. In der Folge haben Umfang, Nutzung und Relevanz der sogenannten “Weissen Seiten” ĂŒber die Jahre konstant abgenommen. Aus diesem Grund werden ab 2023 private Telefonnummern nur noch online publiziert. Der Druck des Schweizer Telefonbuches wird nach 142 Jahren per Ende 2022 eingestellt.

Vor 142 Jahren, am 6. November 1880, erschien in ZĂŒrich das erste öffentliche Telefonverzeichnis der Schweiz. Es beinhaltete gerade mal 98 EintrĂ€ge ohne Telefonnummern und Telefonanrufe waren zu dieser Zeit nur tagsĂŒber möglich. Über die kommenden Jahre nahm die Anzahl EintrĂ€ge parallel zur Anzahl AnschlĂŒsse rasant zu. Bereits 1959 waren es eine Million eingetragener Rufnummern. Den Höhepunkt erreichten die sogenannten “Weissen Seiten” im Telefonbuch dann in den Neunzigerjahren mit rund 4,2 Millionen EintrĂ€gen. Nachdem 1997 die Veröffentlichungspflicht fĂŒr Telefonnummern aufgehoben wurde, setzte die Kehrtwende ein und die Anzahl EintrĂ€ge ging stetig zurĂŒck.

Seither hat sich auch der Umgang mit privaten Daten stark verĂ€ndert. Mit dem Beginn des digitalen Zeitalters und der Zunahme von unerwĂŒnschten Werbeanrufen möchten immer weniger Menschen, dass ihre Telefonnummer in einem öffentlichen Verzeichnis gefĂŒhrt wird. Sie wollen selbst darĂŒber entscheiden, wer ihre Nummer bekommt.

VerstĂ€rkt wird diese Entwicklung durch einen markanten RĂŒckgang von FestnetzanschlĂŒssen bei Privatpersonen. Insgesamt gibt es heute rund 3 Millionen Festnetznummern weniger als noch im Jahr 2000. Ein grosser Teil der Bevölkerung entscheidet sich immer hĂ€ufiger nur fĂŒr einen Mobilanschluss – mit direkter Auswirkung auf den Umfang des Telefonbuchs. Werden FestnetzanschlĂŒsse nĂ€mlich automatisch ins Telefonverzeichnis aufgenommen und nur auf Wunsch nicht veröffentlicht, muss der Inhaber einer Mobilnummer einen Eintrag explizit anfordern. Das macht aber kaum jemand.

“Dieser Wandel macht deutlich, weshalb die Relevanz der ‘Weissen Seiten’ in den vergangenen Jahren stark abgenommen hat”, sagt Stefano Santinelli, CEO localsearch (Swisscom Directories AG). Und weiter: “Wir reagieren auf diese Entwicklung und lassen das Zeitalter der ‘Weissen Seiten’ nĂ€chstes Jahr zu Ende gehen.” Der Druck des Schweizer Telefonbuches in seiner bisherigen Form wird nach 142 Jahren per Ende 2022 eingestellt, private Telefonnummern werden nur noch online publiziert.

Hilfestellung: Telefonverzeichnis als PDF

Personen, die keinen Internetzugang haben oder sich mit dem Internet schwertun, erhalten Telefonnummern auf Wunsch ĂŒber alternative Wege. So können sich die betroffenen Gruppen das Telefonverzeichnis fĂŒr eine spezifische Gemeinde von Familienangehörigen, Nachbarn oder Bekannten kostenlos als PDF herunterladen und anschliessend ausdrucken lassen.

Weiterhin stehen die etablierten Auskunftsdienste wie die Nummer 1811 zur VerfĂŒgung. Wer den Umgang mit dem Internet und die Suche nach Telefonnummern in Onlineverzeichnissen erlernen möchte, der kann an einem Einsteigerkurs fĂŒr Smartphone und Tablet der Swisscom Academy teilnehmen.

Localcities GUIDE: “Gelbe Seiten” in neuem Kleid

Die “Weissen Seiten” (Privatnummern) wurden bisher gemeinsam mit den “Gelben Seiten” (Branchenverzeichnis) im localGuide publiziert. Dieses gedruckte Telefonverzeichnis wird per Ende 2022 eingestellt. Hat die Relevanz der “Weissen Seiten” stark abgenommen, prĂ€sentiert sich die Ausgangslage bei den “Gelben Seiten” anders. Firmen und Anbieter von Dienstleistungen publizieren ihre Nummern und Adressen nach wie vor in den Branchenseiten, um von Konsumentinnen und Konsumenten gefunden zu werden. Das Branchenverzeichnis hat daher bei einer grossen Nutzergruppe weiterhin eine hohe Relevanz.

Diesem BedĂŒrfnis wird localsearch (Swisscom Directories AG) ab 2023 mit dem Localcities GUIDE gerecht. Beim neuen Produkt handelt es sich um ein Branchen-, Vereins- und Gemeindeverzeichnis fĂŒr die Region. Die Publikation enthĂ€lt neben Firmenadressen und Vereinsinformationen auch Wissenswertes ĂŒber die Gemeinden, ein Nummernverzeichnis der Bundesverwaltung, Schulferienkalender und Ă€hnliches.

(text:sda/bild:unsplash)