2 Februar 2024

„Funiculaire“ in Freiburg f├Ąhrt seit 125 Jahren mit Abwasser

Es ist die letzte Wasserballastbahn der Schweiz – und es besteht seit genau 125 Jahren: Das „Funiculaire“ in der Stadt Freiburg wird als Sonderfall mit Abwasser angetrieben. Das mitunter ├╝belriechende Wasser wird als Antriebsballast genutzt.

Die Standseilbahn mit Holzaufbau ├╝berwindet gerade mal 56,4 H├Âhenmeter, und die Fahrtstrecke misst nur 121 Meter. Aber seit dem 4. Februar 1899 erf├╝llt das „Funiculaire“ seine Aufgabe: Es verbindet die Unterstadt (Neuveville) und den oberen Stadtteil (St-Pierre).

Die Freiburger Verkehrsbetriebe (TPF) sind seit 1970 f├╝r den Betrieb der Anlage zust├Ąndig. „Die Standseilbahn verk├Ârpert ein Symbol der Freiburger Identit├Ąt“, betonen die TPF zum runden Geburstag: „Die Bahn ist Zeitzeuge der Industriealisierung der Stadt Freiburg.“

Das Spektakel einer Bahnfahrt ist schnell vorbei: Die Fahrzeit dauert nur zwei Minuten. Daf├╝r f├Ąhrt das „Funi“, wie es im Volksmund auch genannt wird, je nach Bedarf alle sechs Minuten.

Die Wasserballastbahn f├Ąhrt ganz ohne Motor oder Antrieb. Sie setzt auf die Schwerkraft: Der obere Wagen f├╝llt filtriertes Abwasser der Stadt in einem 3000 Liter-Tank. Das „B├Ąhnli“ wird tonnenschwer – und zieht bei der Talfahrt den anderen Wagen zur oberen Station. Mit dem Zahnrad in der Riggenbach-Zahnstange reguliert der Wagenf├╝hrer die Fahrgeschwindigkeit.

Das „Funiculaire“ steht im Inventar der nationalen Kulturg├╝ter – und ist auch eine Attraktion f├╝r Touristen. Die Bahn ist gem├Ąss Angaben der TPF einer der sieben letzten Standseilbahnen in Europa, die mit Wasserballast betrieben wird. Daher soll das 125-j├Ąhrige Bestehen der Bahn geb├╝hrend gefeiert werden.

Die Bahn stand einst vor dem Aus. Im Oktober 1996 kam es bei einem Wagen zu einem Wagenbruch. Das Bundesamt f├╝r Verkehr (BAV) ordnete eine Totalrevision an. Die Stadt Freiburg ├╝berlegte sich, die Bahn stillzulegen und durch Busse zu ersetzen.

Der Widerstand der Bev├Âlkerung verhinderte dies. Die Bahn wurde f├╝r 1,9 Millionen Franken renoviert, und die beiden Wagen erhielten ihre urspr├╝ngliche gr├╝ne Farbe zur├╝ck. Im Juli 1998 nahm das aufgefrischte „Funi“ seinen Betrieb wieder auf.

(text:sda/bild:keystone)