15 September 2021

Franziskus kehrt aus Slowakei zurĂŒck – „Abtreibung ist Mord“

Papst Franziskus hat seine Reise nach Budapest und in die Slowakei mit einer Messe vor Zehntausenden Menschen beendet – und auf dem RĂŒckflug dann ĂŒber besonders kontroverse Themen gesprochen. Dabei schloss er eine Ehe fĂŒr homosexuelle Paare in der katholischen Kirche weiter aus. Zu SchwangerschaftsabbrĂŒchen sagte er: „Abtreibung ist mehr als ein Problem, es ist Mord.“ Zuvor war das katholische Kirchenoberhaupt am Mittwochmorgen in das westslowakische Örtchen Sastin-Straze aufgebrochen. Anlass seines Besuches war der Feiertag zur den sieben Schmerzen Mariens – der Schutzpatronin der Slowakei.

Im Vorfeld des Papst-Besuches hiess es, die Euphorie in der Slowakei halte sich in Grenzen. Zur Messe in Sastin kamen nach Behördenangaben am Ende rund 60 000 Menschen, im Vorfeld angemeldet hatten sich 45 000. Die Menschen wirkten verglichen mit anderen Papst-Besuchen hier und da weniger euphorisch ĂŒber Jorge Bergoglio in seinem Papa-Mobil. Es habe natĂŒrlich auch kritische Stimmen gegeben, die sich etwa ĂŒber die BeschrĂ€nkungen fĂŒr den Verkehr beschwert hĂ€tten, meinte der frĂŒhere Sprecher der slowakischen Bischofskonferenz, Marian Gavenda. Das gehöre aber zum Leben und ansonsten sei die Stimmung positiv gewesen.

Franziskus hinterlÀsst auf seinen Reisen auch eine Botschaft in den LÀndern, die er besucht. In diesem Fall waren das mit der Stippvisite in der ungarischen Hauptstadt Budapest und der Slowakei zwei konservative LÀnder. Die ihm weniger wohlgesonnene katholische Ortskirche in der Slowakei ermahnte er, wieder auf die GlÀubigen statt auf sich selbst zu achten. An das Land mit rund 5,5 Millionen Einwohnern und Europa appellierte er zu mehr Gemeinschaft, aber auch, sich nicht abzuschotten, wie zum Beispiel Ungarn beim Thema Migration.

Frantisek Miklosko, eine Symbolfigur in der katholischen Slowakei hofft, dass damit nun auch eine Art Neustart möglich wird. „In der Slowakei herrscht derzeit ein geistiges Vakuum, auch in der Politik“, sagte er. Die Generation, die noch den Kommunismus erlebt habe, trete langsam ab. Jetzt dominiere eine pragmatische Generation, die aber auch schon erschöpft wirke. „Gerade der Papst kann die nötigen Worte und Anregungen liefern, die einen Neubeginn ermöglichen“, erklĂ€rte der frĂŒhere ParlamentsprĂ€sident weiter.

Einen Neubeginn soll auch der deutsche Erzbischof von Hamburg, Stefan Hesse, wagen. Noch als der Papst in der Slowakei war, liess die vatikanische Botschaft in Deutschland mitteilen, dass der 55-JĂ€hrige im Amt bleiben soll. Er hatte im MĂ€rz nach dem Kölner Missbrauchsgutachten und VorwĂŒrfen gegen ihn, in seinem Amt als Generalvikar und Diözesanadministrator im Erzbistum Köln nicht richtig gehandelt zu haben, dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten.

Apostolische Visitatoren kamen spĂ€ter und untersuchten die VorgĂ€nge. Der Heilige Stuhl habe persönliche Verfahrensfehler Hesses festgestellt, hiess es in der Mitteilung. Der Heilige Vater liess Hesse jedoch im Amt, weil er seine begangenen Fehler „in Demut“ anerkannt und seinen RĂŒcktritt angeboten hatte.

Auf dem RĂŒckflug löcherten ihn Journalisten mit Fragen bei der ĂŒblichen Pressekonferenz. Franziskus erklĂ€rte zum Thema Abtreibung, dass dies „Mord“ sei. Wissenschaftlich gesehen, handle es sich um ein menschliches Leben, sagte er. „Wie soll man tĂ€glichen Mord akzeptieren?“, fragte der Argentinier weiter. Deshalb sei die Kirche so hart bei diesem Thema.

Auch beim Thema Ehesakrament fĂŒr Homosexuelle sah er keine Chance. Die Ehe sei ein Sakrament und die Kirche habe nicht die Befugnis, dies zu Ă€ndern, erklĂ€rte er. Es sei wichtig, Menschen anderer geschlechtlicher Orientierung zu helfen, aber ohne der Kirche Sachen aufzudrĂ€ngen, die dort nicht funktionierten. Dies bedeute allerdings nicht, dass man die Leute verurteilen wolle. Man mĂŒsse alle respektieren. „Aber bitte zwingt die Kirche nicht, ihre Wahrheit zu verleugnen“, sagte er weiter.

(text:sda/bild:unsplash)