10 Mai 2023

Forscher entdecken plastikfressende Pilze in den Schweizer Alpen

Neu entdeckte Bakterien und Pilze aus den Schweizer Alpen können Plastik bei niedrigen Temperaturen verdauen. Gegen den weltweit am hÀufigsten verwendeten Kunststoff Polyethylen haben aber auch sie keine Chance.

Verdauen konnten die in den BĂŒndner Alpen und der Arktis gefundenen Mikroben aber die Plastikarten PUR, PBAT und PLA, wie die am Mittwoch im Fachblatt „Frontiers in Microbiology“ publizierte Studie zeigte. PUR kommt etwa in HaushaltschwĂ€mmen, Matratzen oder Turnschuhen vor; PBAT und PLA in kompostierbaren PlastiksĂ€cken oder Mulchfolie.

Der grosse Fortschritt: Die Mikroben verdauten Plastik bei lediglich 15 Grad Celsius. Bereits zuvor waren mehrere Mikroorganismen bekannt, die in der Lage sind, Plastik zu verdauen. „Diese wurden aber typischerweise bei ĂŒber 30 Grad Celsius getestet“, erklĂ€rte Erstautor Joel RĂŒthi auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklĂ€rte. RĂŒthi ist als Gastwissenschaftler an der Eidgenössischen Forschungsanstalt fĂŒr Wald, Schnee und Landschaft (WSL) tĂ€tig.

Dass die neu entdeckten Mikroorganismen auch bei geringeren Temperaturen aktiv sind, reduziert den erforderlichen Energieaufwand – und macht damit den Abbau von Plastik mit Enzymen gĂŒnstiger und klimafreundlicher.

RĂŒthi und seine Forschungskolleginnen und -kollegen haben dafĂŒr Plastik auf dem Gipfel des Muot da Barba Peider im Tal Val Lavirun GR und in der Arktis vergraben. SpĂ€ter entnahmen sie Bodenproben der darauf wachsenden Organismen, wobei sie 19 BakterienstĂ€mme und 15 PilzstĂ€mme fanden.

Die isolierten Mikrobel liessen sie als Einzelstammkulturen im Labor bei 15 Grad Celsius wachsen. Anschliessend untersuchten sie mit einer Reihe von Tests die einzelnen StÀmme auf ihre FÀhigkeit zur Plastikverdauung.

„Bei einigen dieser Bakterien und Pilze handelt es sich um bisher nicht bekannte Spezies“, sagte RĂŒthi. Dazu gehörten zwei Pilzarten aus den Gattungen Neodevriesia und Lachnellula, die in der Studie die besten Ergebnisse lieferten. Diese waren in der Lage, alle getesteten Kunststoffe ausser PE zu verdauen.

Bis die neu entdeckten Bakterien und Pilze aber zur Anwendung kommen, ist der Weg noch weit. „Als nĂ€chstes mĂŒssen wir die Enzyme identifizieren, die von den Mikroorganismen produziert werden“, sagte RĂŒthi.

(text:sda/bild:sda)