Der FC Thun spielt trotz Niederlage garantiert europäisch
Es ist ein herziges Stadion, das Vikingsvöllur in Reykjavík. Eine Tribüne und Platz für maximal 1’400 Personen. In einem solchen Stadion erwartet man eher Challenge-League-Duelle als eine dritte Qualifikationsrunde für die Europa League. Doch genau hier geht es für den FC Thun um den Einzug in die Playoffs.
Auf dem Platz geht es zunächst durchzogen los. Ein durchaus unterhaltsames Spiel mit Charme, einigen Chancen, aber auch einer gewissen Gemütlichkeit. Die Thuner zeigen allerdings bereits in der 10. Minute, dass sie nicht nach Reykjavík gereist sind, um Polarlichter zu bestaunen oder Whale-Watching-Touren zu unternehmen, sondern um ein gutes Resultat mit in die Schweiz zu nehmen. Fabio Fehr trifft nach zehn Minuten zum 0:1 für die Berner Oberländer.
Die Isländer zeigen jedoch, dass sie auch nach dem zwischenzeitlichen 0:4 im Gesamtskore nicht aufgeben. Nur sechs Minuten später trifft Sigurdsson mit einem Traumtor zum 1:1. Labeau zeigt sich seinerseits auch in internationalen Spielen weiterhin treffsicher. In der 35. Minute bringt er den FC Thun erneut mit 1:2 in Führung. Doch auch diesmal ist die Freude nur von kurzer Dauer. Bereits drei Minuten später gelingt den Isländern durch Yordarson der erneute Ausgleich zum 2:2.
Mit diesem Resultat geht es in die Pause.
Der grösste Wermutstropfen folgt in der 55. Minute: Reykjavík geht durch Ingimundarson mit 3:2 in Führung. Plötzlich beginnt das kleine Zweifeln. Erinnerungen an das Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Dinamo Zagreb werden wach, als die Thuner einst eine 2:0-Führung noch aus der Hand gegeben haben.
Das Spiel bleibt aus Thuner Sicht unangenehm spannend. Reykjavík kommt immer wieder zu guten Chancen. Gerade in der Schlussphase wird der Ball im Strafraum der Thuner mehrfach in letzter Sekunde geblockt – einmal von Steffen, ein anderes Mal von einem Thuner Verteidiger. Die Isländer werfen alles nach vorne und machen die letzten Minuten zu einer echten Zitterpartie.
Umso grösser ist die Erleichterung auf Thuner Seite, als die Uhr langsam, aber sicher herunterläuft. Die vierte Minute der Nachspielzeit ist angebrochen – und dann ist Schluss.
Trotz der 2:3-Niederlage gegen Víkingur Reykjavík erreichen die Thuner dank des Gesamtergebnisses von 5:3 aus Thuner Sicht die Europa-League-Playoffs.
Damit geht das europäische Abenteuer für den FC Thun definitiv weiter. Und selbst wenn es in den Europa-League-Playoffs nicht zum Weiterkommen reichen sollte, ist die internationale Saison noch lange nicht vorbei: Bei einer Niederlage in den Playoffs ist dem FC Thun bereits die Teilnahme an der Conference-League-Gruppenphase sicher.
Die Thuner verlieren also in Reykjavík – aber am Ende ist es eine Niederlage, mit der sich sehr gut leben lässt.
(text:sbü/bild:levin anneler)