5 Januar 2022

Farce um Djokovic: Ausnahmebewilligung, aber kein g├╝ltiges Visum

Medizinische Ausnahmebewilligung? Ja! G├╝ltiges Visum? Nein! So leicht wie von ihm erhofft und von Fans und Medien kritisiert, wird Novak Djokovic die Teilnahme am Australian Open doch nicht gemacht. F├╝rs Erste sass er am Mittwoch am Flughafen in Melbourne fest.

Vom Sturm der Entr├╝stung in der ├ľffentlichkeit ├╝ber den Erhalt einer medizinischen Ausnahmebewilligung f├╝r die Einreise nach Australien d├╝rfte der (wohl) ungeimpfte Novak Djokovic offenbar nichts mitbekommen haben. Schliesslich liest er nach eigenen Aussagen seit Jahren keine Zeitungen mehr und schaut kein Fernsehen.

Doch nach der Landung in Melbourne wurde Djokovic von der ungem├╝tlichen Realit├Ąt eingeholt, welche seine Person in diesen Tagen umgibt: Die Beamten des Bundesstaates Victoria zeigten ihm das Stoppschild. Djokovic war offenbar mit ung├╝ltigem Visum angereist. Denn die Dokumente, die der Serbe vorlegte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen f├╝r Ungeimpfte gar nicht vor – und so sass Djokovic auch nach Mitternacht noch am Flughafen fest.

Das ganze mutet so lange als Farce an, bis nicht alle Details ├╝ber die Hintergr├╝nde der Ausstellung der einzelnen Dokumente bekannt sind. Selbst eine Schikane von Seiten der Beh├Ârden ist nicht auszuschliessen. Denn Australiens Premierminister Scott Morrison hatte sich zur Causa mit wenig diplomatischen Worten gemeldet, als Djokovic noch in der Luft war. Er forderte vom Spieler den Beweis, dass die Ausnahmebewilligung gerechtfertigt ist. Ansonsten werde er ausgewiesen “mit dem ersten Flieger”. “Es wird keine Spezialbehandlung f├╝r Novak Djokovic geben, nicht die kleinste”, sagte Morrison.

Craig Tiley, der Turnierdirektor des Australian Open, hatte derweil zuvor versichert, dass Djokovic keine Sonderbehandlung erhalten habe. Aber auch er fordert den Weltranglistenersten auf, die Gr├╝nde f├╝r seine medizinische Ausnahmebewilligung bekannt zu geben.

├ťberhaupt: Die Ausnahmebewilligung, die Djokovic f├╝r die Einreise nach Australien erhalten hatte, sorgte bei einigen Spielern und einem grossen Teil der heimischen Medien f├╝r negative Reaktionen. Es werde mit unterschiedlichen Ellen gemessen, so der Vorwurf. F├╝r die Einreise nach Australien ist eigentlich eine Impfung vorgeschrieben.

Gegen den Vorwurf, Djokovic habe eine Vorzugsbehandlung erhalten, wehrte sich Tiley: “Jeder, der die Konditionen erf├╝llt hat, erhielt eine Einreisebewilligung von den Beh├Ârden. Dabei wurde niemand bevorzugt. Es w├Ąre aber sicherlich n├╝tzlich, wenn Novak erkl├Ąren w├╝rde, mit welcher Begr├╝ndung er die medizinische Ausnahmebewilligung beantragt und erhalten hat”, meinte Tiley. “Ich w├╝rde mir w├╝nschen, dass er zur Gemeinschaft redet. Wir hatten eine sehr schwierige Periode in den letzten zwei Jahren, und ich w├╝rde es sch├Ątzen, Antworten zu erhalten.”

Gem├Ąss Tiley, der auch Pr├Ąsident des australischen Tennisverbandes ist, haben 26 Teilnehmer oder Staffmitglieder der 3000, welche die Reise nach Australien gemacht haben, eine Ausnahmebewilligung beantragt. Nur einige wenig erhielten sie auch.

(text:sda/bild:pexels)