26 Juni 2023

Familie zieht Freispr├╝che im Lausanner Fall „Mike“ weiter

Die Familie des nach einer Festnahme 2018 verstorbenen mutmasslichen Drogendealers Mike Ben Peter zieht die Freispr├╝che f├╝r sechs Lausanner Stadtpolizisten ans Kantonsgericht weiter. Das k├╝ndigte der Anwalt der Familie am Montag an.

Der Anwalt Simon Ntah best├Ątigte gegen├╝ber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einen Bericht der Tageszeitung „Le Temps“. Seine Mandanten gingen davon aus, dass die Untersuchungen mangelhaft waren.

Schon w├Ąhrend des Prozesses hatte Ntah angek├╝ndigt, den Instanzenweg wenn n├Âtig bis zum Europ├Ąischen Gerichtshof f├╝r Menschenrechte zu gehen. Nach der Verk├╝ndung des erstinstanzlichen Urteils am 7. Juni hatte die Witwe erkl├Ąrt, sie werde sich nicht mit den Freispr├╝chen abfinden.

Das Lausanner Strafgericht hatte die Polizisten vom Vorwurf der fahrl├Ąssigen T├Âtung freigesprochen. Es folgte der Staatsanwaltschaft, welche die Anklage w├Ąhrend des viert├Ągigen Prozesses in einer spektakul├Ąren Kehrtwende hatte fallenlassen.

Das Gericht st├╝tzte sein Urteil auf die medizinischen Gutachten. Demnach liess sich nicht mit Sicherheit sagen, dass Mike Ben Peter aufgrund des Polizeieinsatzes gestorben war. Das Urteil f├╝hrte zu heftigen Reaktionen. „Schande“ oder „Komplizenschaft der Justiz“ riefen einige Personen im Gerichtssaal.

Mike Ben Peter hatte sich 2018 in Lausanne den Polizisten bei einer Drogenkontrolle widersetzt. Um den 39-J├Ąhrigen in Schach zu halten, schlugen ihn die Polizisten und setzten Pfefferspray ein, bevor sie ihn ├╝berw├Ąltigten und auf den Bauch legten. Der Mann starb am n├Ąchsten Tag an einem Herz-Kreislauf-Stillstand, nachdem er ins Universit├Ątsspital Chuv in Lausanne gebracht worden war.

Der Fall sorgte ├╝ber die Westschweiz hinaus f├╝r Schlagzeilen. Es wurden Vergleiche gezogen zwischen dem Nigerianer Ben Peter und dem Afroamerikaner George Floyd, der 2020 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota von einem weissen Polizisten get├Âtet worden war.

(text:sda/bild:sda)