27 April 2023

Facebook-Konzern stoppt Umsatzschwund – Mehr Geld f├╝r Metaverse

Im vergangenen Jahr geriet der Facebook-Konzern Meta unter Druck: Sinkende Erl├Âse, Milliarden-Kosten f├╝r Mark Zuckerbergs Traum vom Metaverse, Konkurrenz durch Tiktok. Doch nun steigt der Umsatz wieder und auch der hauseigene Tiktok-Nachbau tr├Ągt Fr├╝chte.

F├╝r den Facebook-Konzern Meta geht es nach neun Monaten mit R├╝ckg├Ąngen wieder aufw├Ąrts. Im vergangenen Quartal gab es ein Umsatzplus von drei Prozent, w├Ąhrend Analysten einen R├╝ckgang erwartet hatten. Auch f├╝r das laufende Vierteljahr rechnet Meta mit einem Plus. Gr├╝nder und Chef Mark Zuckerberg sieht in Software mit K├╝nstlicher Intelligenz einen Wachstumstreiber. Zugleich verschlingt seine Zukunftsvision von virtuellen Welten weiter Milliarden – bleibt aber ein Nischengesch├Ąft, das zuletzt schrumpfte.

Mitten im Hype um den Chatbot ChatGPT kommt derzeit kein Tech-Unternehmen bei der Vorlage von Quartalszahlen ohne Erw├Ąhnung K├╝nstlicher Intelligenz aus – und Meta war keine Ausnahme. Zuckerberg stellte am Mittwoch Unterhaltungen mit Software in Metas Chatdiensten WhatsApp und Messenger sowie KI-Werkzeuge zum Erzeugen von Bildern bei Facebook und Instagram in Aussicht. K├╝nstliche Intelligenz werde alle Apps und Dienste des Konzerns beeinflussen.

Zugleich betonte Zuckerberg, dass dies keine Abkehr von seiner Vision f├╝r das sogenannte Metaverse bedeute, eine digitale Welt als k├╝nftige Online-Plattform. Zuckerberg hatte das Unternehmen 2021 darauf ausgerichtet – und auch den Konzernnamen von Facebook in Meta ├Ąndern lassen, um den neuen Fokus zu unterstreichen. Investoren zeigten sich besorgt ├╝ber die hohen Ausgaben f├╝r die Metaverse-Entwicklung, w├Ąhrend Zuckerberg sie als Investition in die Zukunft verteidigt.

Bei der Sparte Reality Labs, in der digitale Welten und die Spezialbrillen f├╝r virtuelle Realit├Ąt entwickelt werden, stieg der operative Verlust auf knapp vier Milliarden Dollar von 2,96 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Anstieg gehe haupts├Ąchlich auf Personalkosten und Abfindungen f├╝r Entlassungen zur├╝ck, sagte Finanzchefin Susan Li. F├╝r das laufende Jahr rechnet Meta weiterhin mit steigenden Verlusten bei den Reality Labs.

Dabei brachte die Sparte im vergangenen Quartal nur Erl├Âse von 339 Millionen Dollar ein. Ausl├Âser f├╝r den deutlichen R├╝ckgang im Vergleich zu den 695 Millionen Dollar Umsatz ein Jahr zuvor seien schlechtere Verk├Ąufe der VR-Brille Quest 2 gewesen, sagte Li. Das App-Gesch├Ąft erl├Âste in dieser Zeit 28,3 Milliarden Dollar und brachte einen operativen Gewinn von 11,2 Milliarden Dollar ein.

In den vergangenen Monaten bekam Meta auch die Konkurrenz der Video-App Tiktok zu sp├╝ren, die vor allem bei jungen Nutzern popul├Ąr ist und zunehmend Werbedollar anlockt. Meta konterte mit dem Kurzvideo-Format Reels, bei dem die Clips genauso wie bei Tiktok Nutzern von Software empfohlen werden. Dadurch sei die Zeit, die Nutzer bei Instagram verbringen, um 24 Prozent gestiegen, sagte Zuckerberg.

F├╝r die Einnahmen von Meta ist das noch keine gute Nachricht: Denn Anzeigen in Reels sind g├╝nstiger als bei anderen Formaten wie Newsfeeds und Stories. Damit kostet die Popularit├Ąt von Reels Meta Umsatz. Das werde sich erst Ende dieses Jahres oder Anfang 2024 ├Ąndern, sagte Li. Im vergangenen Quartal legte der Konzernumsatz auf 28,6 Milliarden Dollar zu.

In den Monaten davor hatten Meta ein allgemeiner R├╝ckgang der Online-Werbeausgaben sowie Probleme mit Anzeigenmodellen nach Apples Massnahmen zum st├Ąrkeren Schutz der Privatsph├Ąre auf dem iPhone zu schaffen gemacht. Schon im Schlussquartal 2022 ├╝bertraf der Facebook-Konzern allerdings trotz eines erneuten Umsatzr├╝ckgangs die Analystenprognosen. Am Mittwoch legte die Aktie im nachb├Ârslichen US-Handel um mehr als elf Prozent zu.

Der Quartalsgewinn sank unterdessen um 24 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar (5,16 Mrd Euro), wie Meta nach US-B├Ârsenschluss mitteilte. Der Konzern leitete j├╝ngst bereits die zweite Runde von Entlassungen nach einem deutlichen Job-Aufbau in der Pandemie ein. Im Mai sollen die Streichungen von insgesamt mehr als 20’000 Jobs abgeschlossen werden.

Sorgen bereitet dem Konzern die Unsicherheit rund um die Daten├╝bermittlung aus der Europ├Ąischen Union in die USA. Derzeit l├Ąuft das Verfahren f├╝r einen neuen Rechtsrahmen daf├╝r, nachdem das Vorg├Ąngermodell „Privacy Shield“ vom Europ├Ąischen Gerichtshof gekippt wurde. Facebook erwirtschafte rund zehn Prozent seiner Werbeerl├Âse mit Anzeigen in EU-L├Ąndern, sagte Li.

Meta hat eine gewaltige Reichweite unter den Online-Plattformen und w├Ąchst noch weiter. Die Zahl der t├Ąglich aktiven Facebook-Nutzer erreichte 2,04 Milliarden nach 2 Milliarden drei Monate zuvor. Auf mindestens eine App des Konzerns griffen jeden Tag 3,02 Milliarden Nutzer zu. Ende 2022 waren es noch 2,96 Milliarden. Zu Meta geh├Âren auch Instagram und die Chatdienste WhatsApp und Messenger. Auf Monatsbasis waren 3,81 Milliarden Nutzer in mindestens einer Meta-App aktiv.

(text&bild:sda)