18 MĂ€rz 2023

Experten sehen Zukunft der Credit Suisse kritisch

Experten sehen die Zukunft der angeschlagenen Credit Suisse (CS) kritisch. Die Prognosen reichen von mehrmonatigen Problemen bis hin zum Ende der angeschlagenen Schweizer Grossbank, wie aus am Samstag veröffentlichten Interviews hervorging.

So sagte François Savary, Anlagechef beim Genfer Vermögensverwalter Prime Partners, gegenĂŒber “Le Temps”, die CS-Krise werde “wahrscheinlich einige Monate dauern”. Sie werde allerdings keinen systembedrohenden Dominoeffekt auslösen.

Der ehemalige Bank-Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler hingegen sieht keine Zukunft fĂŒr die CS, wie er zur “Neuen ZĂŒrcher Zeitung” sagte. Wenn das Vertrauen einmal weg sei, sei es weg. “Entweder wird die CS ordnungsgemĂ€ss abgewickelt, dafĂŒr gibt es ja standardisierte Methoden, die garantieren, dass die gesunden Sparten der Bank gerettet werden können. Oder die Abwicklung der CS wird auf eine andere Grossbank ĂŒbertragen, und die Finma und der Staat ĂŒbernehmen ohne Wenn und Aber die Garantie.”

Die “Financial Times” hatte am spĂ€ten Freitagabend berichtet, dass sich die CS und die UBS in ÜbernahmegesprĂ€chen befinden sollen. Geplant sei eine teilweise oder vollstĂ€ndige Übernahme, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eine nicht genannte Auskunftsperson. Die hiesigen Aufsichtsbehörden hĂ€tten ihre Kollegen aus den USA und Grossbritannien am Freitagabend informiert, dass eine Fusion der beiden Banken ihr “Plan A” sei, um einen Totalverlust des Vertrauens in die Credit Suisse zu verhindern.

Die Credit Suisse wollte den Artikel auf Anfrage von AWP am Telefon nicht kommentieren, die Finma und die SNB waren am spĂ€ten Freitagabend nicht erreichbar. Am Donnerstag hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg noch berichtet, UBS und CS wĂŒrden eine Zwangsfusion ablehnen. Ein Sprecher der UBS bekrĂ€ftigte auf Anfrage von AWP am spĂ€ten Freitagabend lediglich die von CEO Ralph Hamers an einer Konferenz am Mittwoch gemachte Aussage, wonach sich die UBS auf ihre eigene Strategie konzentriere. Weitere Kommentare gab die grösste Schweizer Bank nicht ab.

Ob ein Zusammengehen der beiden Grossbanken aber ĂŒberhaupt möglich wĂ€re, war umstritten. So sagte der ehemalige PrĂ€sident der Finanzmarktaufsicht Finma, Eugen Haltiner, in einem am Samstag veröffentlichen Interview mit den “CH Media”-Titeln, die Wettbewerbskommission Weko wĂ€re damit wohl nicht glĂŒcklich. “Im Fall von CS und UBS hĂ€tte die Weko sicher gewichtige Vorbehalte, weil beide Institute eine marktdominierende Stellung haben.”

Am Mittwochabend hatten die Finanzmarktaufsicht Finma und die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekannt gegeben, dass sie der Credit Suisse bei Bedarf LiquiditĂ€t zur VerfĂŒgung stellen werden. Bereits einige Stunden spĂ€ter meldete die CS ihren Bedarf an und lieh sich bis zu 50 Milliarden Franken von der SNB, um die LiquiditĂ€t sicherzustellen.

Die Milliardenhilfe hat die Sorgen der Investoren um die angeschlagene Grossbank nur wenig beruhigt. WÀhrend der CS-Aktienkurs am Freitag bereits wieder nachgab, wurden Spekulationen um eine Aufteilung des zweitgrössten Schweizer Finanzinstituts lauter.

“Financial Times” befeuert Übernahmespekulationen

50 Milliarden von der SNB

(text&bild:sda)