17 Juli 2026

EU-Kommission will Europas Banken stärken

Die EU-Kommission will Europas Bankensektor stärken und dafür etwa grenzüberschreitende Bankgeschäfte erleichtern sowie Bürokratie abbauen. Ausserdem plant die Brüsseler Behörde, dass Kapital EU-weit flexibler genutzt werden kann und die Sicherung von Kundengeldern zu reformieren.

Die Behörde sieht die Zersplitterung des europäischen Bankenmarkts entlang nationaler Grenzen als eine der zentralen Herausforderungen. Darüber hinaus sei das Regelwerk für Banken oft überkomplex. Zudem gälten für kleine Banken oft dieselben Vorschriften wie für grosse, internationale Banken.

Daher will die Kommission den Verwaltungsaufwand für Geldhäuser senken – betont jedoch, dabei nicht die Stabilität des Finanzsystems gefährden zu wollen. Vorgesehen sind etwa einfachere Eigenkapitalvorschriften und erleichterte Anforderungen für kleine sowie wenig komplexe Banken. Für mehr Effizienz sollen internationale Bankengruppen nach dem Willen der Kommission daher überschüssiges Kapital einfacher dorthin verschieben können, wo es am dringendsten benötigt wird.

Ausserdem plant die Behörde, die Sicherung von Kundengeldern einfacher und effektiver zu machen – und europäisch. Bislang können sich die EU-Staaten genau darauf nicht einigen und streiten seit Jahren über eine grenzübergreifende sogenannte Einlagensicherung.

Den Vorstössen der Kommission sollen Anfang 2027 konkrete Gesetzesvorschläge folgen. Etwa für Aufrüstung, Digitalisierung und Klimaschutz sind in der EU riesige Investitionen notwendig. In Schätzungen wird der Investitionsbedarf auf rund eine Billion Euro jährlich beziffert. „Stärkere und grössere EU-Banken können die Entwicklung der EU-Kapitalmärkte fördern, insbesondere grenzüberschreitend“, so die Kommission.

Banken spielten auch eine wichtige Rolle in der EU-Wirtschaft, indem sie Haushalte und Unternehmen unterstützten, so die Kommission. Ihren Angaben zufolge stellen sie 75 Prozent der Unternehmenskredite an EU-Firmen bereit.

Die Vollendung einer Bankenunion ist weiterhin das klare Ziel der EU-Kommission, wie es in Brüssel weiter hiess. Europäische Banken nutzten den Wettbewerbsvorteil eines grossen Binnenmarktes bisher zu wenig – das müsse sich angesichts der aktuellen geopolitischen Lage dringend ändern, sagte ein EU-Beamter.

Heute seien unrentable Kredite viel gleichmässiger in den EU-Staaten verteilt als in der Vergangenheit. Banken in der EU seien zudem deutlich profitabler und krisenfester. Die Bankenunion war als Reaktion auf die globale Finanzkrise 2008 und die anschliessende Staatsschuldenkrise im Euro-Raum geschaffen worden.

Neben der einheitlichen Aufsicht und einem einheitlichen Abwicklungsmechanismus für angeschlagene Häuser soll die bislang nicht realisierte Einlagensicherung der dritte Pfeiler der Bankenunion werden.

(text:sda/symbolbild:pexels)