ETH warnt: Tage der Alpengletscher sind gezählt
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(03:00)
Sie sind die stummen Zeugen des Klimawandels: Die Gletscher der Alpen. Manche sind bereits fast vollkommen verschwunden, alle haben in den letzten Jahren an Volumen eingebüsst. Die Folge der Klimaerwärmung auf die Eisströme des Berner Oberlandes seien klar sichtbar, sagt der im Oberland aufgewachsene ETH-Klimatologe Reto Knutti. Es habe in den letzten Jahren eine starke Gletscherschmelze gegeben, rund ein Viertel ihres Volumens haben die Schweizer Gletscher verloren, das seien extrem schnelle Veränderungen. Alleine der Aletschgletscher verliere vier bis sechs Meter an Dicke im Jahr. Die Hälfte der Gletschermenge in der Schweiz sei bereits verloren. Selbst im optimistischsten Szenario müsse man mit dem Verlust der Hälfte dessen rechnen, was jetzt noch an Eis da sei.
Man müsse sich darauf einstellen, dass bis Ende des Jahrhunderts nicht mehr all zu viel von den Gletschern der Alpen übrig sein werde, mahnt Knutti. In einem Szenarium ohne Klimaschutz, werde es praktisch keine Gletschter mehr geben – in einem Szenarium mit Klimaschutzmassnahmen könne allenfalls ein Teil überleben.
Klar aber sei, die Alpen werden Ende Jahrhundert anders aussehen. Das sei aber keine rein optische Sichtweise, so Knutti. Das habe auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Wasser in den Sommermonaten für die Landwirtschaft, für die Stromproduktion, für das Kühlen von Atomkraftwerken und gar auf die Rheinschifffahrt. Der Wasserkreislauf der Schweiz werde sich verändern.
Zwar erwartet die Forschung eine Zunahme der Niederschlagsmengen im Winter, allerdings in Form von Regen statt Schnee. Das bedeutet, dass das Wasser weniger gespeichert wird. Trotz den schmelzenden Gletschern werde die Schweiz ein Wasserschloss bleiben. Die Niederschlagsmengen werden wohl nicht abnehmen – sich aber zeitlich verschieben: Weniger Niederschlag im Sommer, dafür mehr im Winter.
(text:csc/bild:unsplash)