25 April 2023

ETH-Professor klagt an Z├╝rcher Gericht gegen Republik-Journalisten

Ein Journalist der „Republik“ muss sich heute am Z├╝rcher Bezirksgericht verantworten. Ein Professor der ETH sah sich durch einen Artikel verunglimpft. Die Staatsanwaltschaft st├╝tzt den Professor und wirft dem Journalisten unter anderem ├╝ble Nachrede vor.

Im Artikel aus dem Jahr 2021 geht es um das Verhalten des Professors gegen├╝ber seiner Institutsleiterin, aber auch gegen├╝ber Doktoranden. Der Artikel st├╝tzt sich gem├Ąss „Republik“ auf ├╝ber ein Dutzend involvierte Personen, Mailverl├Ąufe, Korrespondenzen sowie einen Untersuchungsbericht.

Beim durchschnittlichen Leser sei der Eindruck entstanden, der Wissenschaftler sei ein „plagiierender, unkollegialer Professor“, der andere Professoren mit haltlosen Vorw├╝rfen eindecke und Doktoranden ausspioniere, heisst es in der Anklageschrift. Auch Vergehen gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb wirft die Staatsanwaltschaft dem Journalisten vor.

Der Professor soll aber die Vorw├╝rfe an die Institutsleiterin, etwa dass sie seine Forschungsgruppe benachteilige, zur├╝ckgenommen haben. Auch Plagiatsvorw├╝rfe gegen ihn seien entkr├Ąftet worden, begr├╝ndet die Staatsanwaltschaft die Anklage. Den Plagiatsvorwurf hatte die „Republik“ bereits in einem fr├╝heren Artikel thematisiert. Sie zitierte Wissenschaftler, die dem Professoren vorwarfen, ausgerechnet bei seiner Institutsleiterin abgeschrieben zu haben.

Im nun kritisierten Artikel hat der Journalist wiederholt aus dem Untersuchungsbericht eines Juristen ├╝ber die Vorg├Ąnge am Institut zitiert. Diesen hat die ETH selber als „geheim“ eingestuft. Daf├╝r soll der Beschuldigte wegen Ver├Âffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen verurteilt werden.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Geldstrafe von 140 mal 120 Franken. Daf├╝r w├╝rde eine Probezeit von zwei Jahren gelten. Ausserdem soll der Journalist 2000 Franken Busse bezahlen. Das Gericht muss auch ├╝ber Schadensanspr├╝che des ETH-Professors entscheiden. F├╝r den Journalisten gilt die Unschuldsvermutung.

(text:sda/bild:sda)