10 August 2021

ETH Klimaforscherin: Kein technologischer Ausweg beim Klimawandel

Die ETH-Klimaforscherin Sonia Seneviratne warnt vor Hoffnungen auf technologische Auswege bei der Bek├Ąmpfung des Klimawandels.

Der am Montag vorgelegte 6. Zustandsbericht des Weltklimarats IPCC zeigt, dass sich der globale Klimawandel in den letzten Jahren weiter versch├Ąrft hat.

In einem Interview mit dem „Tages-Anzeiger“ sagt die ETH- Professorin am Institut f├╝r Atmosph├Ąre und Klima und IPCC-Autorin Sonia Seneviratne , es gebe dazu eindeutige neue Daten. ┬źWer nach wie vor die Idee hat, man k├Ânne weiterhin die CO2-Emissionen so langsam wie bisher reduzieren und dann auf technische Hilfe hoffen, ist auf dem falschen Weg.┬╗

Die Mengen an CO2, die man derzeit mit Aufforstung oder technischen Methoden extrahieren k├Ânne, seien zu begrenzt um etwas zu bewirken. „Wir m├╝ssen einfach so schnell und soviel Emissionen wie m├Âglich reduzieren, damit wir m├Âglichst wenig auf solche technischen L├Âsungen angewiesen sind.“ Die Emissionen m├╝ssten bereits in zwei Jahren sinken.

├änderungen bei Klimaextremen w├╝rden jetzt in jeder Region der Welt beobachtet. Das Zeitfenster schliesse sich schnell. Doch es gebe in dem Bericht ein Szenario, nach dem die 1,5-Grad-Grenze nur um 0,1 Grad ├╝berschritten w├╝rde. „Daf├╝r m├╝ssen die Co2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent abnehmen und nachher so schnell wie m├Âglich netto Null erreichen, am besten vor 2050.“

Wenn man weitermache wie bisher, werde es vielleicht schon vor dem n├Ąchsten IPCC-Bericht um 1,5 Grad w├Ąrmer sein. Es gebe zudem Entwicklungen, die nicht mehr aufzuhalten seien, selbst wenn man die Erderw├Ąrmung um 1,5 Grad oder wenig dar├╝ber stabilisiere.

Der Meeresspiegel werde weiterhin steigen, so lange, bis das Klimasystem wieder im Gleichgewicht ist. Auch die Gletscher w├╝rden weiterhin schmelzen und Klimaextreme, wie Hitzewellen und Starkniederschl├Ąge wie in diesem Sommer w├╝rden nicht verschwinden, sondern sich mit einer zus├Ątzlichen globalen Erw├Ąrmung weiter versch├Ąrfen.

Es sei nun eine gesellschaftliche Frage, ob man die CO2-Emissionen so rasch wie n├Âtig reduzieren k├Ânne. Doch die Dringlichkeit von Klimamassnahmen in der Politik sei noch nicht ├╝berall angekommen, auch nicht in der Schweiz.

(text:sda/bild:beo)