8 Februar 2024

Erneut Vulkanausbruch auf Island – Lava kappt Warmwasserversorgung

Es ist ein Naturspektakel mit Folgen fĂŒr die Menschen in der Region: Ein erneuter Vulkanausbruch auf Island hat die Warmwasserversorgung in dem betroffenen Gebiet gekappt. Die islĂ€ndischen Behörden riefen daher am Donnerstag die Notstandsstufe fĂŒr die Region auf der Reykjanes-Halbinsel sĂŒdwestlich von Reykjavik aus. Die Warmwasserleitung sei kaputt, was einen Mangel an heissem Wasser in der Region Sudurnes verursacht habe, teilte die Zivilschutz- und Polizeibehörde am Nachmittag mit. Sie rief die Bewohner und Unternehmen auf der Halbinsel zum Strom- und Wassersparen auf. Die Gemeinde ReykjanesbĂŠr kĂŒndigte an, dass KindergĂ€rten, Grundschulen und andere Einrichtungen bis zur Wiederherstellung der Versorgung geschlossen bleiben sollten.

Der dritte Vulkanausbruch auf der Halbinsel innerhalb von nur acht Wochen hatte am Donnerstagmorgen begonnen. Gegen 6.00 Uhr (Ortszeit) tat sich nördlich des KĂŒstenortes GrindavĂ­k ein schĂ€tzungsweise drei Kilometer langer Erdriss auf, aus dem im Anschluss glutrote Lava sprudelte. Nach Angaben der Wetterbehörde Vedurstofa erreichten die LavafontĂ€nen nordöstlich des Berges Sylingarfell eine Höhe von rund 50 bis 80 Metern. Die Dampfwolke stieg demnach sogar bis in eine Höhe von rund drei Kilometern auf.

Rund um den Riss bildete sich schnell ein Lavafeld, wie in Livestreams des Rundfunksenders RÚV und in Luftaufnahmen der Behörden zu sehen war. Die erst glutrote, dann abgekĂŒhlte schwarze Lava setzte sich dabei deutlich von der umliegenden Schneelandschaft ab.

Wie lange der Ausbruch diesmal anhÀlt, ist unklar. Experten rechneten aber damit, dass er sich bereits innerhalb von wenigen Tagen wieder legen könnte. Bereits am Nachmittag hatte er nach Angaben der Wetterbehörde an StÀrke verloren.

Die Behörde hatte in den vergangenen Tagen eine erneute Ansammlung von mehreren Millionen Kubikmetern Magma unterhalb des Vulkangebietes auf der Reykjanes-Halbinsel verzeichnet und deshalb davor gewarnt, dass die Wahrscheinlichkeit einer zeitnahen erneuten Eruption gestiegen sei. Am Donnerstagmorgen hatte sich der neue Ausbruch dann mit einem erneuten Erdbebenschwarm angekĂŒndigt.

Es ist der sechste Ausbruch dieser Art auf der Halbinsel seit 2021 und dabei der dritte allein seit Mitte Dezember. Bei der jĂŒngsten Eruption Mitte Januar hatte die Lava auch die AuslĂ€ufer des zuvor evakuierten Ortes GrindavĂ­k erreicht und dort drei HĂ€user zerstört – es war das erste Mal seit einem halben Jahrhundert, dass bei einem Ausbruch auf der Nordatlantik-Insel Behausungen von Lavamassen zerstört worden waren.

Experten schĂ€tzten die Lage des Ausbruchsortes diesmal als gĂŒnstiger als bei der vorherigen Eruption ein. Ein Lavafluss Richtung GrindavĂ­k wurde als unwahrscheinlich eingeschĂ€tzt. SpĂ€ter jedoch strömte die Lava auch ĂŒber eine Hauptstrasse in der Gegend, den GrindavĂ­kurvegur, sowie ĂŒber die Warmwasserleitung NjardvĂ­kurĂŠd, die vom Geothermalkraftwerk Svartsengi zum Ort NjardvĂ­k verlĂ€uft, der sich in direkter NĂ€he zu Islands internationalem Flughafen KeflavĂ­k befindet.

Der Flughafen stand vorĂŒbergehend ohne warmes Wasser da, was jedoch zunĂ€chst keine grösseren Folgen fĂŒr den Flughafenbetrieb hatte. Die Blaue Lagune, ein Geothermalbad, das mit seinem weiss-blauen Wasser bei vielen Touristen zu den Highlights einer Reise nach Island zĂ€hlt und direkt neben dem Kraftwerk Svartsengi liegt, wurde vorsichtshalber evakuiert und vorĂŒbergehend geschlossen.

Die Eruptionen der vergangenen Jahre sehen nicht so aus, wie man sich einen klassischen Vulkanausbruch vorstellt: Die Lava sprudelt nicht aus einem Vulkanberg in die Höhe, sondern strömt aus einem lĂ€nglichen Riss in der Erde hervor, weshalb man diese Art von AusbrĂŒchen auch als Spalteneruption bezeichnet. Bei solchen Eruptionen entsteht anders als etwa bei dem Ausbruch des Vulkangletschers Eyjafjallajökull im Jahr 2010 keine grosse Aschewolke – mit einer solchen kilometerhohen Wolke hatte der Eyjafjallajökull damals tagelang den internationalen Flugverkehr lahmgelegt.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)