9 MĂ€rz 2023

Erneut schwere russische Luftangriffe auf Ukraine

Bei massiven Raketen- und Drohnenangriffen der russischen Armee auf zivile Infrastruktur in der Ukraine sind mindestens fĂŒnf Menschen getötet worden.

Angaben aus Kyjiw zufolge wurden in der Nacht zu Donnerstag 81 Raketen abgefeuert, darunter auch sechs Hyperschallraketen vom Typ “Kinschal” (Dolch). Das von russischen Truppen besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja wurde erneut von der Stromversorgung abgetrennt und war auf Notstromaggregate angewiesen. Nach wenigen Stunden wurde die externe Stromversorgung wieder hergestellt. Moskau nannte als Motiv fĂŒr die neuen Angriffe Rache fĂŒr einen ungeklĂ€rten Zwischenfall im russischen Grenzgebiet Brjansk vor einer Woche, fĂŒr den es die Ukraine verantwortlich macht.

Am 2. MĂ€rz hatten die russischen Behörden behauptet, eine ukrainische Sabotagegruppe sei auf russisches Gebiet eingedrungen und habe dort zwei Zivilisten getötet. PrĂ€sident Wladimir Putin sprach von einem “Terroranschlag”. Zu dem Angriff bekannte sich spĂ€ter eine Gruppe russischer Nationalisten. Kyjiw hingegen stritt eine Beteiligung ab. Gezielte russische Angriffe auf zivile Infrastruktur der Ukraine gibt es zudem schon seit mindestens Oktober, wobei die BegrĂŒndungen immer Mal wechselten.

Slowakei will Ukraine Kampfjets MiG-29 liefern

Die Slowakei will der Ukraine zusammen mit Polen Kampfflugzeuge des sowjetischen Typs MiG-29 zur VerfĂŒgung stellen. Das teilte Verteidigungsminister Jaroslav Nad auf Facebook mit. “Ich bestĂ€tige, dass Polen offiziell zugestimmt hat, dass wir die MiGs gemeinsam an die Ukraine liefern”, schrieb Nad. Einen konkreten Zeitplan nannte er nicht. Zuvor hatte bereits Polens PrĂ€sident Andrej Duda die grundsĂ€tzliche Bereitschaft seines Landes erklĂ€rt. Nad mahnte zu Eile. Sein Land könne zehn Kampfjets zur VerfĂŒgung stellen. Polen verfĂŒgt noch ĂŒber etwa 30 Maschinen der MiG-29, die ĂŒberwiegend noch aus DDR-BestĂ€nden stammen.

Litauens Geheimdienst: Russland bereit fĂŒr zwei weitere Kriegsjahre

Russland ist nach EinschĂ€tzung der litauischen Geheimdienste in der Lage, seinen Angriffskrieg in der Ukraine weitere zwei Jahre fortzusetzen. “Wir schĂ€tzen, dass die Ressourcen, die Russland heute zur VerfĂŒgung stehen, ausreichen wĂŒrden, um noch zwei Jahre einen Krieg mit der gleichen IntensitĂ€t wie heute zu fĂŒhren”, sagte Oberst Elegijus Paulavicius vom litauischen MilitĂ€rgeheimdienst bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Behörde. Russland werde unter Putin “zunehmend totalitĂ€r” und könne instabil werden, heisst es in dem Bericht. “Im aktuellen sozialen und politischen Umfeld ist die wahrscheinlichste Alternative zu Putins Regime ein anderes autoritĂ€res Regime”, warnen die litauischen Geheimdienste.

US-Geheimdienste: Putin spielt auf Zeit

In den USA erwarten Geheimdienste, dass Putin sich auf einen lĂ€ngeren Krieg gegen die Ukraine einrichtet. “Wir gehen nicht davon aus, dass sich das russische MilitĂ€r in diesem Jahr ausreichend erholt, um grössere Gebietsgewinne zu erzielen”, sagte Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines bei einer Anhörung im Senat in Washington. Die VerlĂ€ngerung des Krieges einschliesslich möglicher Kampfpausen könnte sein bester verbleibender Weg sein, um die russischen strategischen Interessen in der Ukraine zu sichern – selbst wenn dies Jahre dauere.

IAEA-Chef drÀngt wegen Notbetrieb im AKW Saporischschja zur Eile

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) ist wegen des erneuten Ausfalls der regulĂ€ren Stromversorgung im Atomkraftwerk Saporischschja alarmiert. Es sei bereits das sechste Mal, dass Europas grösstes Atomkraftwerk wegen des Krieges auf Notversorgung durch Diesel-Generatoren umstellen mĂŒsse, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi in Wien. Es sei höchste Zeit, eine Sicherheitszone rund um das Kraftwerk einzurichten. Noch am Donnerstag teilte der staatliche Energieversorger Ukrenerho in sozialen Netzwerken mit, die externe Stromversorgung sei wieder hergestellt worden.

Ukrainischer Befehlshaber rechtfertigt Verteidigung von Bachmut

Der Befehlshaber der ukrainischen LandstreitkrĂ€fte, Olexander Syrskyj, rechtfertigte die verlustreiche Verteidigung der schwer umkĂ€mpften Stadt Bachmut mit strategischen GrĂŒnden. “Jeder Tag der Verteidigung der Stadt gibt uns Zeit fĂŒr die Schaffung von Reserven und die Vorbereitung kĂŒnftiger Offensiven”, sagte der Generaloberst nach einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Kyjiww. Im Kampf um die “Festung” Bachmut im Gebiet Donezk verliere die russische Söldnertruppe Wagner ihre kampffĂ€higsten Einheiten. Die Stadt im Osten der Ukraine ist seit Monaten umkĂ€mpft und fast völlig zerstört.

(text:sda/bild:keystone)