11 Juni 2024

Eine verpasste Chance

Auch am dritten Tag der Tour de Suisse sticht der Schweizer Trumpf nicht. Mit dem Etappensieg vor Augen wird Marc Hirschi wenige hundert Meter vor dem Ziel in R├╝schlikon vom Feld gestellt. F├╝r den Berner ist es eine verpasste Chance.

Es kommt nicht mehr h├Ąufig vor, dass Marc Hirschi in einem Rennen dieser Gr├Âssenordnung seine Freiheiten bekommt. In seinem Team UAE Emirates, eine Ansammlung von Stars und jungen Talenten, die auf bestem Weg dazu sind, solche zu werden, muss der Tour-de-France-Etappensieger und WM-Dritte von 2020 nicht selten hinten anstehen.

Am Dienstag bot sich Hirschi eine dieser wenig gewordenen Chancen, auf h├Âchstem Level zu zeigen, zu was er noch immer zu leisten f├Ąhig ist. Das coupierte Etappenfile in R├╝schlikon war wie geschaffen f├╝r einen starken Puncher wie ihn.

Und Hirschi nutzte die B├╝hne. Bei noch drei verbleibenden Kilometern greift er im zweitletzten Anstieg „aus Instinkt“ an und bringt in der kurzen Abfahrt zur letzten, steilen Rampe schnell ein paar Sekunden zwischen sich und die Konkurrenz. „Ich war ├╝berrascht, dass das Loch so gross war“, sagt er sp├Ąter.

Einen Moment lang sieht es gut aus f├╝r den Berner. „Ich hoffte, dass es hinten etwas unorganisiert ist und ich davon profitieren kann.“ Doch seine Hoffnungen zerschlagen sich. In der Schlusssteigung geht ihm der Saft aus und das Feld rauscht 600 Meter vor dem Ziel an ihm vorbei. „Ich bin voll ins Laktat reingefahren. Es w├Ąre besser gewesen, wir w├Ąren zu zweit oder zu dritt vorne gewesen, dann h├Ątten wir uns abwechseln k├Ânnen.“

W├Ąhrend der erst 21-j├Ąhrige Thibau Nys den Bergaufsprint meistert, f├Ąhrt Hirschi als 54. mit 39 Sekunden R├╝ckstand auf den belgischen Sieger ├╝ber die Ziellinie. Ohne jegliche Unterst├╝tzung seines Team lag an diesem Tag nicht mehr drin, oder? „Ich habe es probiert. Meine Beine waren gut. Doch vielleicht h├Ątte ich besser auf den Sprint gewartet“, werweisst Hirschi. Er habe jedoch gewusst, dass „noch schnellere Fahrer wie Bryan Coquard (der Sprintsieger vom Montag – Red.) dabei waren. Und gegen solche Fahrer wird es im Sprint schwierig“.

F├╝r Hirschi ist es eine verpasste Chance, seine wohl letzte auf einen Etappensieg an der diesj├Ąhrigen Landesrundfahrt, die auf allen weiteren Etappen bis zum finalen Bergzeitfahren am Sonntag in Villars-sur-Ollon auf starke Kletterer ausgelegt ist. „Man weiss nie was kommt, aber es wird sicher schwierig.“ Fortan wird sich Hirschi deshalb wieder in den Dienst seines Teams stellen und versuchen, mit seiner Arbeit dem Portugiesen Jo├úo Almeida oder dem Briten Adam Yates zum Gesamtsieg zu verhelfen.

Und wer weiss, vielleicht ist der Sieg am Ufer des Z├╝richsees nur aufgehoben: Am 29. September werden knapp zehn Kilometer Luftlinie entfernt auf dem Sechsel├Ąutenplatz die WM-Medaillen im Strassenrennen vergeben. Auf diesen Tag hat Hirschi seine gesamte Saison ausgerichtet.

(text:sda/bild:keystone)