24 Februar 2023

Ein Jahr Ukraine-Krieg – das sagen die Schweizer Medien

Am Freitag ist es ein Jahr her, dass Russland in die Ukraine einmarschiert ist. Die Schweizer Presselandschaft zieht eine durchzogene Bilanz bei der Bew├Ąltigung des russischen Angriffskriegs.

F├╝r die „Neue Z├╝rcher Zeitung“ steht fest: „Der Krieg ist ein neuer Weltkrieg – auch wenn er nicht auf verschiedenen Kontinenten ausgetragen wird.“ Denn es k├Ąmpften nicht nur Russland und die Ukraine, auch die Nato und China ringen im Machtgef├╝ge mit. „Es ist der erste grosse Krieg, der unter den Bedingungen der Globalisierung gef├╝hrt wird. Gek├Ąmpft wird nicht allein um Land an Don und Dnipro, zur Disposition steht die globale Machtverteilung.“

Sinke Russland in der Folge zu einem Klientelstaat Chinas ab, entschiede das Reich der Mitte k├╝nftig direkt ├╝ber Europas Zukunft mit. „Die Geopolitik ist nach Europa zur├╝ckgekehrt, und der alte Kontinent ist schlecht darauf vorbereitet“, schreibt die Zeitung und bilanziert: „Europa kann Geopolitik nicht.“

Die Tamedia-Zeitungen blicken zur├╝ck auf „ein Jahr vergebener diplomatischer Bem├╝hungen“. Zu ernsthaften Friedensverhandlungen sei es nie gekommen, die offenbarten Massaker in Butscha und anderen Orten h├Ątten ihr ├ťbriges getan. „Verhandlungen ├╝ber Frieden oder auch nur einen Waffenstillstand sind im Moment sehr unwahrscheinlich“, schreiben die Zeitungen. „Das hat vor allem einen Grund: Beide Kriegsparteien sind der Ansicht, mit milit├Ąrischen Mitteln eine bessere Verhandlungsposition oder sogar ihre Kriegsziele erreichen zu k├Ânnen.“ Wann und wie sich die Situation ├Ąndere, sei derzeit nicht abzusch├Ątzen.

„Blick“ schreibt: „Nur selten in der Geschichte hat sich das B├Âse so deutlich gezeigt wie beim Angriff auf die Ukraine vor einem Jahr. Grundlos und menschenverachtend ist Russlands Krieg gegen den friedlichen Nachbarn.“ Trotzdem gew├Ąnnen „Wahrheitsverdreher“ an Fahrt – auch in der Schweiz.

Die „CH Media“-Titel schreiben, Moskau habe sich zu fr├╝h ├╝ber ein massenhaftes Erfrieren der Ukrainer gefreut. Moskaus R├╝stungsindustrie k├Ânne es zudem nicht mit den vereinten Kr├Ąften der westlichen Waffenschmieden aufnehmen. „Nur wenn China, der gr├Âsste Waffenproduzent nach den USA, in die Bresche springt und Moskau mit Kriegsmaterial versorgt, k├Ânnte sich das Blatt noch wenden. Genau das bef├╝rchten die Amerikaner im Moment.“

Der Angriffskrieg Russlands habe f├╝r Verwirrung in der westeurop├Ąischen Gesellschaft gesorgt, schreiben die „Schaffhauser Nachrichten“: „Pl├Âtzlich votieren Gr├╝ne und Linke, sonst eiserne Pazifisten, f├╝r fast grenzenlose Waffenlieferungen an die Ukraine. Gleichzeitig erhebt sich aus dem konservativen Lager, sonst dem Kommunismus und seinen Erben gegen├╝ber abweisend, der Wehrhaftigkeit aber sehr verpflichtet, der Wunsch, man m├Âge doch aufh├Âren, Kriegsger├Ąt an die ukrainischen Streitkr├Ąfte zu schicken.“

Die westeurop├Ąische Friedensgesellschaft tue sich schwer mit der neuen Realit├Ąt und hadere, so die Zeitung. „Einigkeit herrscht zumindest in einem Punkt: Frieden muss das Ziel sein. Nur ist die Hoffnung, dass Bes├Ąnftigungs- und Appeasement-Politik den russischen Aggressor b├Ąndigen, unbegr├╝ndet.“

(text&bild:sda)