Efta und Vietnam unterzeichnen Freihandelsabkommen
Die Efta-Staaten – darunter die Schweiz – haben mit Vietnam ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Damit rücken die Staaten wirtschaftlich näher zusammen. Das Freihandelsabkommen soll den Handel mit Waren und Dienstleistungen deutlich vereinfachen.
Die Europäische Freihandelsassoziation (Efta) und die Regierung von Vietnam gaben den Abschluss der Verhandlungen am Donnerstagmittag bekannt. Vorausgegangen war im Juni eine Ministerkonferenz in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Für die Schweiz hatte Bundesrat Guy Parmelin an den Gesprächen teilgenommen.
Das Abkommen mit Vietnam umfasst Bereiche wie den Handel mit Waren und Dienstleistungen, geistiges Eigentum, das öffentliche Beschaffungswesen sowie Handel und nachhaltige Entwicklung.
Mit Inkrafttreten des Abkommens verpflichten sich die Efta-Staaten, sämtliche Zölle auf Industrieprodukte sowie Fisch und andere Meereserzeugnisse aus Vietnam dauerhaft abzuschaffen.
Vietnam wird seinerseits die Zölle auf den überwiegenden Teil der Industrie- und Fischereiprodukte aus den Efta-Staaten innerhalb von maximal elf Jahren nach Inkrafttreten des Abkommens abbauen. Davon profitieren insbesondere Exporte wie Uhren, Fisch und Krebstiere, chemische Erzeugnisse, Maschinen und Anlagen.
Auch im Agrarbereich verbessern die Vertragsparteien den Marktzugang entsprechend ihren jeweiligen Handelsinteressen und den politischen Empfindlichkeiten. Wichtige Exportprodukte der Efta – darunter Käse, Kaffee, Schokolade, Säuglingsnahrung und Nahrungsergänzungsmittel – erhalten spätestens 16 Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens zollfreien Zugang zum vietnamesischen Markt. Umgekehrt entsprechen die Zugeständnisse der Efta gegenüber vietnamesischen Agrarprodukten den Richtlinien anderer Freihandelsabkommen.
Zu den wichtigsten Exporten der Efta nach Vietnam gehörten in den letzten Jahren elektrische Maschinen und Geräte, Fisch, Pharmazeutika sowie Maschinen. Importiert wurden vor allem elektrische Maschinen und Geräte, Schuhe und Bekleidung sowie Maschinen. Diese Warengruppen verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von über zehn Prozent.
Das Handelsvolumen zwischen den Efta-Staaten und Vietnam belief sich im Jahr 2025 auf 4,8 Milliarden Euro. Vietnam verzeichnete dabei einen Handelsüberschuss von 2,5 Milliarden Euro (ohne Schweizer Goldhandel).
Das Abkommen enthält ein umfassendes System von Ursprungsregeln, das sich ebenfalls weitgehend an den jüngsten Freihandelsabkommen der Efta orientiert.
Es legt fest, unter welchen Bedingungen Produkte als Erzeugnisse der Efta oder Vietnams gelten und damit von den Zollvorteilen profitieren. Zudem können unter bestimmten Voraussetzungen auch Vorleistungen aus ASEAN-Staaten oder der EU angerechnet werden. Das erleichtert Unternehmen mit internationalen Lieferketten den Handel.
Die Vertragsparteien wollen den Warenverkehr durch schnellere Zollverfahren und transparente Regeln vereinfachen. Das Abkommen bekräftigt die Verpflichtungen aus dem WTO-Abkommen über Handelserleichterungen und orientiert sich an internationalen Standards. Dadurch sollen Zollverfahren einfacher, effizienter und besser vorhersehbar werden.
Das Abkommen verbessert auch den Marktzugang für Dienstleistungsunternehmen und erleichtert Investitionen zwischen den Efta-Staaten und Vietnam. Zudem stärkt es den Schutz des geistigen Eigentums sowie die Zusammenarbeit bei öffentlichen Ausschreibungen.
Die Staaten verpflichten sich ausserdem zu fairem Wettbewerb sowie zur Einhaltung internationaler Umwelt- und Arbeitsstandards. Kleine und mittlere Unternehmen sollen dank besser zugänglicher Informationen und engerer Zusammenarbeit stärker vom Abkommen profitieren. Für Streitigkeiten sieht das Abkommen ein geregeltes Schiedsverfahren vor.
Bereits vor dem Treffen in Island starteten die Verhandlungsrunden: Seit dem 8. September im vergangenen Jahr kamen die Verantwortlichen fünfmal zusammen. Der Bundesrat betonte bereits im Vorfeld, dass Vietnam gemäss der Südostasien-Strategie 2023-2026 als „prioritäres Partnerland“ in der Region gelte. Das neue Abkommen stellt die Zusammenarbeit nun auf eine neue Grundlage.
(text:sda/bild:keystone)