29 Juli 2021

Drei weitere Tote nach Chempark-Explosion in Leverkusen gefunden

Traurige Gewissheit nach bangen Stunden: Zwei Tage nach der verheerenden Explosion in einer Leverkusener M√ľllverbrennungsanlage haben Einsatzkr√§fte drei weitere Menschen tot in den Tr√ľmmern gefunden. Das teilten die K√∂lner Staatsanwaltschaft und die Polizei am Donnerstag mit. Die Zahl der nunmehr best√§tigten Todesopfer erh√∂hte sich damit auf f√ľnf. Zwei weitere Menschen wurden weiterhin vermisst – die Hoffnung, sie noch lebend zu finden, war allerdings verschwindend gering.

Die Ermittlungsbeh√∂rden hatten den Detonationsort im Chempark – einem Gel√§nde mit Chemie-Unternehmen – zuvor genauer begutachten k√∂nnen. Zusammen mit einem Sachverst√§ndigen der Staatsanwaltschaft finde eine „erste Begehung der Unfallstelle“ statt, erkl√§rte ein Sprecher der K√∂lner Staatsanwaltschaft am Vormittag – zumindest soweit diese nicht kontaminiert beziehungsweise einsturzgef√§hrdet sei.

Die K√∂lner Polizei sprach von einer „Puzzlearbeit“ auf dem verw√ľsteten Gel√§nde. Es sei unwahrscheinlich, dass die Ungl√ľcksursache sofort herausgefunden werden k√∂nne. Auch Drohnen sollten zum Einsatz kommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf fahrl√§ssige T√∂tung und fahrl√§ssiges Herbeif√ľhren einer Sprengstoffexplosion gegen unbekannt. Sie will herausfinden, ob menschliche Fehler zu der Katastrophe f√ľhrten.

Kurz nach der Detonation am Dienstagmorgen, die noch viele Kilometer weit entfernt zu sp√ľren war, hatten Rettungskr√§fte bereits einen Menschen tot am Ungl√ľcksort aufgefunden. Wenig sp√§ter starb einer der Schwerverletzten im Krankenhaus. Die Ermittler trafen Vorkehrungen f√ľr eine m√∂gliche Identifizierung von Leichen. Sie beabsichtigten, „von Angeh√∂rigen der Vermissten vorsorglich DNA-Proben zu entnehmen“, erkl√§rte ein Sprecher der K√∂lner Staatsanwaltschaft.

Rund um die Ungl√ľcksstelle warteten Anwohner weiterhin bangend auf die Ergebnisse einer Analyse der bei dem Brand freigesetzten Stoffe. Nach Angaben des Chempark-Betreibers Currenta hatten nach der Explosion Tanks gebrannt, in denen „organische L√∂sungsmittel“ gelagert worden seien. Auf Leverkusen gingen viele kleine Russpartikel nieder. Die Stadt riet ihren B√ľrgern, kein Obst oder Gem√ľse aus dem Garten zu essen, wenn sich entsprechender Staub darauf angesammelt habe. Das nordrhein-westf√§lische Landesumweltamt (LANUV) stellte ein Ergebnis seiner Untersuchungen f√ľr Ende der Woche in Aussicht.

In einer ersten Einsch√§tzung war das Amt davon ausgegangen, dass es sich um „Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen“ gehandelt haben k√∂nnte. Grunds√§tzlich sei es so, dass Dioxine bei jedem Brandereignis in mehr oder weniger hohen Konzentrationen entst√ľnden. Wie hoch die vorhandenen R√ľckst√§nde mit diesen Substanzen belastet sind, werde sich erst nach der aufwendigen Auswertung zeigen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, zu dessen Wahlkreis Leverkusen geh√∂rt, forderte „schnellstens Aufkl√§rung“, wie viel Dioxin oder PCB freigesetzt worden sei. „Insbesondere Kinderspielzeug im Garten, Fahrr√§der und andere Dinge m√ľssen gr√ľndlich abgewaschen werden“, appellierte er in der „Rheinischen Post“.

(text:sda/bild:keystone)